Bußfeier 2002
 
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27.08.06

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Bußfeier mit einer Erdnuss, Advent 2002 


Vorbereitung

Für alle Teilnehmer/innen eine Erdnuss.

Hinweis

Abkürzungen: GL = Gotteslob,   Tr = Liederbuch „Troubadour für Gott“  

Lied zu Beginn

Kündet allen in der Not ... GL 106
O Heiland, reiß die Himmel auf ... GL 105  

Persönliche Begrüßung und Hinführung

(Nehmen Sie bitte Platz!)

Die kostbaren Erdnüsse - hoffentlich hat jeder eine erhalten - kommen ursprünglich aus Südamerika. Sie hatten es mir angetan, weil man an dieser Kostbarkeit vorbeilaufen kann, ohne sie zu sehen. Wie ihr Name sagt: Sie liegen unsichtbar in der Erde, d.h. nach dem Blühen krümmen sich die Fruchtknoten nach unten und drücken sich 5 bis 8 cm tief in das Erdreich ein. In der Erde reift dann die eigentliche Erdnuss.

Interessant ist, dass in den Königsgräbern in Peru Halsketten aus goldenen und silbernen Erdnüssen gefunden wurden: Der Körper des toten Königs wurde von Süden nach Norden ausgerichtet, so dass die rechte Körperhälfte zur aufgehenden Sonne, die linke zur untergehenden Sonne gebettet war; das Gold also mit der Sonne und das Silber mit dem Mond in Verbindung gebracht wurde.

In der heutigen Bußfeier soll die Erdnuss uns helfen, einen Blick unter die Oberfläche, hinter die Schale, also ins Unsichtbare zu werfen.

Gebet

Herr, unser Gott. Du rufst uns zur Umkehr. Du möchtest, dass wir zum Kern, zur Herzmitte vorstoßen. So hilf uns jetzt, dass uns ein Schritt dahin gelingt - durch Christus, unseren Herrn.  

Gewissenserforschung - Meditation

(bitte auswählen und durch Lieder unterbrechen)

I.      Der Blick fürs Unsichtbare

Im Leben sehen wir so oft nur die Oberfläche - wie wir auch jetzt nur das Äußere der Erdnuss sehen können -, das Eigentliche bleibt uns verborgen: die Nuss liegt ja unter der Erde. Wer nicht tiefer schaut, steht in Gefahr, die Welt oberflächlich zu beurteilen und Wesentliches, ja Geheimnisse zu übersehen. Wir hören ein paar Beispiele:

1. Spr.:    Unterhalb der Oberfläche,
unterhalb des dicken Baumes  
gibt es eine starke Wurzel,  
die saugt Nahrung aus dem Boden,  
die schickt Wasser in die Zweige,  
die gibt Halt, wenn Stürme wehen.
 
Und wir sehen nichts davon.

2. Spr.:    Unterhalb der Oberfläche,  
unterhalb in Stadt und Land,  
gibt es Gullys, gibt es Rohre,  
liegen Kabel und Kanäle   
für den Strom und für das Wasser,  
für das frische und verbrauchte.
 
Und wir merken nichts davon.

1. Spr.:    Unterhalb der Oberfläche,   
unter unserer dünnen Haut
geht ein Netz von feinen Adern,   
liegen Nerven, liegen Sehnen,  
kämpfen Viren, wachsen Zellen,  
pulst das Leben, kreist das Blut.
 
Und wir spüren nichts davon.

2. Spr.:    Unterhalb der Oberfläche, 
unterhalb der Schädeldecke 
nisten Träume und Gefühle,
wohnt Erinnern und Vergessen,  
lebt Bewusstes und Verdrängtes,   
das uns prägt und das uns steuert.  
Und wir wissen nichts davon.

(Hermann Josef Coenen, Meine Jakobsleiter, Patmos)

·  Habe ich noch den Blick, der tiefer sieht, der das soziale Netz zu schätzen weiß, z.B.
-  Wasser im Keller und die Feuerwehr kommt es abpumpen!
-  Das Kind blutet fürchterlich und der Notarztwagen steht gleich vor der Tür!
-  Der Nachbar, der im Urlaub meine Post annimmt oder das Haus mit beobachtet!
-  Die Zeitung
- wie selbstverständlich täglich im Briefkasten! -
Bin ich für all das dankbar oder sehe ich das als selbstverständlich an - ich zahle ja schließlich!?

Liebe Jugendliche! Ist euer Zuhause nur noch Ess- und Schlafstelle? Merkst du noch, wenn du spät aus der Disco kommst, dass sich, wenn unten die Tür geht, Mutter oben dann erst in den Tiefschlaf verabschiedet? Oder wenn du mit Frust aus der Schule kommst, jemand da ist, der dir zuhört? Ist dir bewusst, dass deine Eltern all dein Tun und Lassen mit Hoffnung und Sorge verfolgen - vielleicht sogar mit ihrem Gebet begleiten, auch wenn dich das manchmal nervt?  -

Sehen wir alle noch mit dem Herzen gut, denn das Wesentliche ist unsichtbar!

Lied:        Ein Funke, aus Stein geschlagen ... Text und Noten siehe ...
       Weg, den ein Stern erhellt, Licht in der Schattenwelt ... Tr 500, alle Strophen:

II.     Den eigenen Dunkelheiten vertrauen

Erdnüsse haben eine große Widerstandsfähigkeit, sind lange haltbar und weisen einen hohen Nährwert auf. Die Samen enthalten 40 bis 50 Prozent Öl und etwa 20 bis 30 Prozent Proteine.   Sie sind zudem eine hervorragende Quelle von Vitamin B. Treffliche Eigenschaften auch für die Schätze, die wir innen tragen, von denen wir aber - wie bei einem Eisberg - nur ein Siebtel kontrollieren können, d.h. wir tragen Dunkelheiten in uns, die uns stark machen, die uns aber auch herunterziehen können. Wissenschaftler, ja Dichter, sagen: „Die Welt hat eine Tag- und eine Nachtseite.“
Auch wir tragen eine Tag- und eine Nachtseite in uns. Die Tagseite ist meist mit dem Verstand    zu kontrollieren. Um aber die Nachtseite zu erspüren, muss ich ins Abseits gehen, Stille und Schweigen suchen, um die leisen Töne in mir zu vernehmen; um die feinen Energien und Kraft-felder in mir aufzuspüren. (Nach Jörg Zink)  

·  Nehme ich mir noch genügend Zeit zum Nachdenken oder lasse ich mich abends von den Massenmedien zuschütten? Kanalisiere ich noch meine Kräfte oder verpulvere ich sie in zu viele Aktivitäten, die mich langsam auffressen? Was wäre abzuwählen, wenn ich an meine Mitte, meine Familie und meine Gesundheit denke?  

Orgelspiel

Die leisen Kräfte sind es, die mich tragen. Wie verhalte ich mich aber, wenn ich spüre, dass die negativen Dunkelheiten in meinem Inneren mir zu schaffen machen?

1. Spr.:     Ein Mann sah sich von einer großen gefährlichen Schlange bedroht. Er tat, was ihm nützlich erschien: Er begann gegen sie zu kämpfen. Doch die Schlange war über-mächtig. Der Mann erkannte das und versuchte zu fliehen. Aber die Schlange folgte   ihm und der Kampf begann von Neuem. Der Mann fand nie mehr Ruhe. Seine Kräfte verzehrten sich in der Abwehr der Schlange; er vermochte nichts anderes mehr zu leisten.

2. Spr.:     Eines Tages sah ein Weiser das vergebliche Bemühen des Mannes und sagte:           
 „Gib es auf zu fliehen und gib es auf zu kämpfen.“  
„Aber“, rief der Mann, „dann frisst mich doch das Ungetüm!“   
„Folge meinem Rat“, sagte der Weise, „und du wirst Ruhe haben. Schlüpfe neben die Schlange, leg dich an ihre Seite, passe dich ihren Windungen an, so wird sie niemals mehr dich angreifen und du bist gerettet.“  
Der Mann tat so und fand Frieden.

(Indische Legende)

Es ist wie mit dem Sohn des Rabbi, der in einer anderen Gemeinde den Sabbat verbracht hatte. Als er zurückkam, fragten sie ihn neugierig: „Haben sie irgendetwas anders gemacht als wir?“  
„Ja“, sagte er. „Und worin bestand die Lehre?“ Da lachte er: „Liebe deinen Feind wie dich selbst!“ 
„Aber“, meinten sie, „das sagen wir hier doch auch! Wieso hast du etwas anderes gelernt?“
Da antwortete er: „Sie lehrten mich, den Feind in mir selbst zu lieben!“  

·  Wie sehen die Schatten in mir aus, mit denen ich kämpfe?:
-  Fühle ich mich nicht genug anerkannt, wenig begabt oder nicht schön genug?
-  Schätze ich mich manchmal als taube Nuss ein?
-  Ist meine Ehe doch kein Paradies und sind meine Kinder nicht zum Vorzeigen geeignet?
-  Zerbrachen meine Träume und guten Vorsätze?
-  Möchte ich wie eine Mimose behandelt werden, aber anderen begegne ich mit der Brechstange?

Stille  

·  Warum gleiche ich mich nicht den Windungen der Schlange in mir an?
-  Kann ich mich manchmal ihrer Übermacht nicht erwehren?

Es gibt „Scherben“, die kannst du mit noch so großer Anstrengung und mit aller Liebe nicht heilen, die musst du liegen lassen. Erst wer seine Schwächen versteht und annimmt, kann mit ihnen arbeiten und sie in Stärken verwandeln. Die verborgenen Kräfte der Erdnuss, ihre große Widerstandskraft, ihr hoher Nährwert und ihre lange Haltbarkeit: All das steckt auch in meinen Dunkelheiten!

Stille

·  Diese Dunkelheiten kannst du auch Gott in die Hände legen. Jesus kam doch, um mit zutragen, um stark zu machen. Warum hänge ich mich nicht bei ihm ein? Spüre ich, dass mein Vertrauen auf ihn schwindet, auch weil ich mir zu wenig Zeit für diesen Wegbegleiter lasse?  

Lesung

Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: Liebe Schwestern und Brüder! 
Gott sprach: Aus Finsternis soll euch Licht aufleuchten. Jesus Christus ist in unseren Herzen aufgeleuchtet ... Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen. So wird deutlich, dass      das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und
- finden doch noch Raum; wir wissen weder ein noch aus und - verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und - sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und - doch nicht vernichtet (2 Kor 4,6-9) 

Lied: Dir bringen wir die ungelebten Träume ... Heft 232, 1. - 4. Str.

III.     Vertrauen auf den unsichtbaren Gott

Übertragen wir den verborgenen Kern der Erdnuss auf die unsichtbaren Kräfte Gottes. Er verleiht uns große Widerstandskraft; ist lange, ja unbegrenzt haltbar, und die Beziehung zu ihm hat einen hohen Nährwert. Wie es schon ein arabisches gläubiges Wort sagt:

„In schwarzer Nacht - auf schwarzem Stein - eine schwarze Ameise: Gott sieht sie!“

·  Sind meine Zweifel zu stark? Vielleicht - vielleicht ist doch alles wahr, was wir von Gott glauben! Was wollen Sie auf dieses „Vielleicht“ erwidern? Wenn es also 50 zu 50 steht, warum schlagen wir uns nicht auf die positive Seite? Das heißt: wir vertrauen mehr auf Jesus. An seinem Leben sehen wir: auch in Kampf und Tod, in Zweifel und Dunkelheit ist Gott gegenwärtig!

1. Spr.:     Gott spricht:  
                 In die Schatten deiner Angst,
                 in deine unkontrollierbaren Nachtseiten,
                 in das Elend mancher Ohnmacht
-
                 lege ich meine Zusage: Ich bin da!

2. Spr.:     Gott spricht:
                 In das Dunkel deiner Vergangenheit,
                 in manche Leere deiner Gefühle,
                 in die Grenzen deiner Begabung
-
                 lege ich meine Zusage: Ich bin da!

1. Spr.:     Gott spricht:
                 In manche Enttäuschung deines Lebens,
                 in den Schmerz deines Versagens,
                 in die Wunden deiner Sehnsucht
-
                 lege ich meine Zusage: Ich bin da!

2. Spr.:     Gott spricht:
                 In das Leid deiner Ablehnung,
                 in manche Enge deines Alltags,
                 in die Scherben deines bisherigen Lebens
-
                 lege ich meine Zusage: Ich bin da!

Lied: Bewahre uns, Gott ... Tr 335

Im Kampf gegen die Schatten in mir und im Vertrauen auf meine Dunkelheiten will Jesus mir zu Hilfe kommen.

Wir nehmen einmal die Erdnuss in die Hand und überlegen:

Wir sehen nur die unscheinbare Schale. Wie unscheinbar hat es mit Jesus angefangen: in einem Stall, an einem für die Welt unbedeutenden Ort. Er war wenig erfolgreich, wenn wir bedenken, wie wenige noch unter seinem Kreuz ausharrten. Er wurde in die Erde gelegt wie jeder Sterbliche. Das war’s dann schon?

Welche Kraft schoss dann aber aus dem Kern hervor: Bis heute nicht vergessen! Bis heute das große Angebot an jeden von uns, sich endlich ganz auf ihn einzulassen. Dazu zum Schluss noch eine Geschichte:

Spr.:         Ein Mann wollte seinen Schatten loswerden, aber, was er auch anstellte, es gelang ihm nicht: Er wälzte sich auf dem Boden, sprang ins Wasser, versuchte, über den Schatten wegzuspringen. Alles vergeblich.

                 Ein weiser Mann, der diese Geschichte hörte, meinte dazu: „Das wäre doch ganz einfach gewesen, den Schatten loszuwerden!" "Wieso einfach?", fragten die Umstehenden neugierig, „was hätte er denn machen sollen?" Und der weise Mann gab zur Antwort: „Er hätte sich nur in den Schatten eines Baumes zu stellen brauchen."

                 5 Sekunden Stille

                 (Dann:) Er hätte sich nur in den Schatten des Kreuzbaumes zu stellen brauchen.

L.:             Das ist mein Vertrauen:
                 Unterhalb der Oberfläche,
                 unterhalb der alten Kirche
                 gibt es eine Katakombe,
                 eine Kraft aus neuen Christen,
                 die hier singen, hoffen, handeln,
-
                 Kann Jesus auch auf uns hoffen?

                                                                                              (Nach H.J. Coenen)

Lied:        Die Nacht zu Bethlehem ... Text und Noten siehe ...
                 Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhellt ...Text und Noten siehe ...

Schuldbekenntnis - Vergebungsbitte - Segen

Aktion

Erdnuss essen oder zur Erinnerung an den Christbaum hängen?

Schlusslied
                                                                                                                                                                                                           

Macht hoch die Tür ... GL 107
Tauet Himmel ... GL 830

Willi Hoffsümmer

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