Das Empfangene
weitergeben
Bußfeier im Symbol einer Brunnenschale
Ostern 2003
Vorbereitungen
Die
Grafik ist entsprechend vergrößert im Altarraum gut zu sehen oder
auf das Liedblatt kopiert.
Lied
zu Beginn
Freu dich über
jede Stunde… Heft 237, 1. -3. Str.
Hinführung
Sie haben eine
Karte erhalten, die schon das Auge entspannen lässt. Wer hat nicht
schon die Wohltat genossen, nach einer anstrengenden Wanderung an
solch einer Stelle Rast zu machen und sich am köstlichen Nass zu
erfrischen? Dieser Vorgang soll uns eine Betrachtung wert sein, weil
er uns in die Geheimnisse des Lebens führt.
Gebet
Herr, unser Gott.
Ohne Wasser kein Leben. Wir danken dir für all die lebendigen
Quellen dieser Welt, aber auch für die in dir, die unsere
Lebenskraft erneuert, wenn wir sie empfangen. So sei jetzt die
heilende Quelle, die über unser verwundetes Leben fließt. Stille den
Durst unserer Sehnsucht – durch Christus, unseren Herrn.
Gewissenserforschung – Meditation
1. Unser Leben – von Quellen
gespeist
Wir schauen auf
den Zufluss, der die Brunnenschale immer wieder neu füllt. Das
Wesentliche im Leben bekommen wir in unsere Brunnenschale geschenkt:
von den Eltern, vom Partner, von den Kindern, der Gesellschaft und
natürlich zuletzt und zu allererst von Gott. Wer das erkennt,
durchschaut das Lebensgeheimnis und findet zur ersten und richtigen
Antwort eines Geschöpfes: Zum Danken.
Das Wort „Danke“ darf darum öfter in unserem Leben vorkommen. Es
wäre auch das richtige kurze Morgengebet auf der Bettkante: Danke!
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat den Teufelskreis,
in dem wir und unser Land steht, schon vor über einem halben
Jahrhundert deutlich aufgezeigt. Er schreibt:
„Undankbarkeit beginnt mit dem Vergessen, aus dem Vergessen folgt
Gleichgültigkeit, aus der Gleichgültigkeit Unzufriedenheit, aus der
Unzufriedenheit Verzweiflung, aus der Verzweiflung der Fluch. (Mit
dem Wort „Fluch“ umschreibt er wohl die Absicht, sich selbst das
Leben nehmen zu wollen: Das geschieht zehnmal öfter in reichen als
in den bitterarmen Ländern). Lass dich fragen, ob dein Herz durch
Undank so mürrisch, so träge, so müde, so verzagt geworden ist.“
Also: Uns wachsen dann nicht die Augen
zu, wenn wir danke sagen für alles, was uns letztlich geschenkt
wird.
1. Spr.: Gott,
ich danke dir für das Wasser,
das wie ein Quell aus der Tiefe aufbrechen kann, um
zu heilen.
– wie der Kranke am Teich Bethesda sich beschenkt
fühlte.
Ich danke dir für das Wasser,
das die Tränen der Wut und des Schmerzes in mir
abwischen kann.
2. Spr. : Ich
danke dir, der du kommen kannst
wie der Tau aus der Höhe oder wie das Grundwasser,
zu dem Wurzeln sich ausstrecken, um das Wasser des
Lebens zu finden.
Ich danke dir, der sich spiegeln kann
im Wasser der Brunnenschale,
aber sich auch nicht zu schade ist,
eine Pfütze aufleuchten zu lassen.
1. Spr.:
Ich danke dir für das Wasser, das nicht verschlingen,
sondern stärken will;
das Jesus trug, als er auf die Jünger im Boot zuging. –
Du bist wie
ein kostbarer Trank
für den dürstenden Körper
und für eine enttäuschte Seele.
2. Spr.:
Du kennst den Weg zum Brunnen Gottes,
der auch uns und alle einlädt:
„Kommt alle zu mir, die ihr Durst habt!
Ich kann euren Lebensdurst stillen!“
·
Wir
fragen uns: Welche Menschen sind für mich Quelle des Lebens? Danke
ich ihnen schon einmal dafür, dass sie mir Kraft zum Leben geben?
Bin ich auch für die kleinen Freuden des Alltags dankbar? Gibt es
Worte aus der Hl. Schrift, die mir zum Lebensbrunnen geworden sind?
Glaube ich an die erlösende Liebe Gottes? Dass seine Barmherzigkeit
wie ein Strahl Wasser auch den Schmutz und die Schuld von meiner
Seele wegspült? Nehme ich mir sonntags für die große Dankfeier der
Gemeinschaft gegenüber Gott, der hl. Messe, immer die Zeit? (Stille)
Diakon:
Jesus sagte am
Jakobsbrunnen zu der Samariterin: „Wer von dem Wasser dieses
Brunnens trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser
trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben.
Vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden
Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“. Da sagte die Frau
zu ihm: „Herr, dann gib mir dieses Wasser!“ (Joh 4,13-15a)
Lied
Geh, geh, geh zum
Fels… Heft 71, alle Strophen
2. Sich Zeit lassen für das Füllen
der Brunnenschale
In einem alten
Brunnenspruch heißt es – ähnlich wie auf unserer Karte:
Der alte Brunnen
spendet leise
sein Wasser täglich gleicherweise.
Ich möchte diesem Brunnen gleichen
und leben, um anderen darzureichen.
„Doch geben, geben alle Tage,
Brunnen, wird dies nicht zur Plage?“
Da sagt er mir als Jochgeselle:
„Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle!
Mir fließt es zu – ich geb es weiter,
das
macht das Leben froh und heiter!“ –
Nun leb ich nach der Brunnenweise,
zieh freudig meine Segenskreise:
Was mir von Christus fließt ins Leben,
das kann ich ruhig weitergeben.
(Textrechte: Schäfer-Verlag Plauen i. V.)
Genau hier hat
aber die christliche Verkündigung etwas zu kurz gegriffen. Das
Hauptgebot: „Du sollst Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst“
wurde immer schnell auf „Immer nur geben, immer nur geben!“
gedeutet. Nach den heutigen Erkenntnissen der Psychologie wissen
wir:
Für das Lieben „wie dich selbst“ darf ich mir auch Zeit
lassen, denn wer immer nur gibt, teilt irgendwann auch Schlamm aus
der Brunnenschale aus.
Lieben wir uns selbst noch genug? Denn nur wer froh und begeistert
ist, kann auch anderen Freude vermitteln und begeistern.
Umgekehrt: „Wer sich selbst nicht riechen kann, der stinkt auch
anderen.“ Hier überfordern wir auch manchmal unsere Jugendlichen!
Wir meinen: „So, jetzt habt ihr jahrelang empfangen, jetzt teilt mal
endlich aus!“ Aber sie sehen sich selbst noch mit leerer
Brunnenschale. Und solange einer „Nein“ zu sich selber sagt,
sozusagen die Pickel seines Gesichts im Spiegel zählt, solange kann
er auch noch nicht vorbehaltlos „Ja“ sagen zu einem anderen
Menschen; klammert sich eher nur an. Auch das Ja zu Gott fällt dann
schwer.
Also erst, wer zu sich selbst gefunden hat, der kann den Spruch auf
der Karte akzeptieren: Wenn ich die Liebe, die ich empfangen habe,
liebend an andere weitergebe, dann kommt so viel zurück, dass ich
erfüllt leben kann.
Ich muss mir also auch Zeit für die Selbstliebe lassen, in der sich
meine innere Brunnenschale füllen kann. Der heilige Franz von Sales
drückte das einmal so aus: „Der Mensch braucht, um glücklich zu
sein, täglich eine halbe Stunde nur für sich. Mit einer Ausnahme:
Wenn es ein besonders hektischer Tag ist, dann braucht er eine
Stunde – nur für sich!“
Oder ein Meister der Meditation, Elmar Gruber, sagt in seinen
Vorträgen: „Wissen Sie, worauf es im Leben ankommt?: Dass es mir
gut geht!“ Das klingt nach Egoismus und Eigenliebe, meint aber eben
diese angesprochene Selbstliebe.
·
Teile ich manchmal nur Schlamm aus? Fühle ich mich leer? Schütte ich
meine innere Brunnenschale mit zu viel Fernsehen, Computer und Musik
zu? Verdunsten meine Freundschaften, weil ich sie nicht mehr pflege?
Nehme ich mir genug Zeit für den Partner und die Kinder? Plätschere
ich zu viel im Reden hin – im Reden auch über andere? Spüre ich noch
Sehnsucht im Herzen? Nehme ich mir noch feste Zeiten für ein
Gespräch mit Gott – oder ein Hören auf Gott? (Stille)
1. Spr.: Sag ja zu dir, so wie du bist,
nur wer barmherzig mit sich ist,
ist’s auch zum andern neben sich.
Gott will, dass du ihn liebst wie dich.
2. Spr.: Sei gut zu dir und nimm dich an.
Nur wer sich selber lieben kann,
liebt auch den anderen neben sich.
Gott will, dass du ihn liebst wie dich.
1. Spr.: Entdecke dich und deinen Wert.
Nur wer die eigenen Gaben ehrt,
ehrt auch den anderen neben sich.
Gott will, dass du ihn liebst wie dich.
2. Spr.: Vergib dir Fehler und Fragment.
Nur wer die eignen Grenzen kennt,
vergibt dem anderen neben sich.
Gott will, dass du ihn liebst wie dich.
1. Spr.: Gott nimmt dich an und ist dir gut.
Gib weiter, was er Gutes tut,
an deinen Nächsten neben dir.
Dann wird aus ich und du ein Wir.
(Aus Detlev Block, In Deinen Schutz
genommen. Geistliche Lieder, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht,
Göttingen 1980)
Lied:
GL 165, Refrain
mit Orgel, jeweils die Strophen abwechselnd – Männer/Frauen – beten.
3. Das Empfangene vorbehaltlos
weitergeben
Wir schauen wieder
einmal auf die Karte: Jeder, der vorbei kommt, darf trinken. Hier
liegt das Geheimnis unseres Lebens: Wenn ich vorbehaltlos
weitergebe, was ich letztlich geschenkt bekommen habe, kommt so viel
zurück, dass es mich erfüllt und dankbar macht. Auf den ersten Blick
ist der reicher, der alles anhäuft und hortet. Aber erst die
Freude verdoppelt sich, die ich weitergebe. Empfangen und
Geben, Geben und Empfangen, das hält unsere Welt in Bewegung
und bereichert unser Miteinander.
·
Ist
Gutheit wirklich Dummheit? Kann ich ein Geschenk dankbar annehmen
oder überlege ich mir sofort, was ich zurückschenken könnte? Möchte
ich auf Kosten anderer ganz groß herauskommen? Sind mir manche ganz
egal? Interessiere ich mich für die Probleme anderer - oder glaube
ich, selbst genug um die Ohren zu haben? Ist es mir bewusst, dass
ich Gott besonders in notleidenden Menschen begegne? Ist meine
Abgabe an sie – auch in der Kollekte – engherzig oder großzügig?
(Nach dem Maß, mit dem wir andere messen und zuteilen, werden wir
einmal zugeteilt bekommen! [Mt
7,2 b]
(Stille)
1. Spr.:
Unsere Welt geht nicht zugrunde aus Mangel an Wissen, Sachverstand
und Können, sondern aus Mangel an Bereitschaft, seine Begabungen und
Talente selbstlos in die Gesellschaft einzubringen – auch über den
Weg der ehrenamtlichen Arbeit.
2. Spr.:
Aus der Brunnenschale „Staat“ wollen alle trinken: Kinderreiche und
Arbeitslose, Asylbewerber und Obdachlose, Studenten und
Vorruheständler. – –
Aber geben wir genügend „Wasser“ in die Schale?
1. Spr.:
Aus der Brunnenschale „Kirche“ wollen alle trinken. Gottesdienst am
Ort zur passenden Zeit, Jugendmesse und Kleinkindergottesdienst,
Tischmesse und Mozartmesse, Bibelkreis und Gruppenstunde, schöne
Trauung und Kindergarten. – –
Aber geben wir genügend „Wasser“ in die Schale?
2. Spr.:
Jede Partnerschaft, jede Familie ist wie eine Brunnenschale:
Gib mir Nähe! Gib mir Wärme!
Kratz mir mal den Rücken!
Hab mich lieb und mach mich glücklich.
Ist das Hemd noch nicht gebügelt? – –
Doch geben wir genügend „Wasser“ in die Schale?
1. Spr.:
Darum glücklich der Mensch, der wie eine Quelle ständig frisches
Wasser hervorbringt und deren Vorratskräfte nie versiegen. Er
erfrischt alle, die ihm begegnen. Und dieser Mensch selbst fühlt
sich frei und zufrieden.
2. Spr.:
Darum glücklich der Mensch, der um die Quellen in Gott weiß, wenn
die Kräfte schwinden, die Ansprüche ins Unendliche wachsen oder die
Undankbarkeit und Gleichgültigkeit wehtun. Er ist nicht wie
Konfetti, das vom Winde verweht wird.
Er weiß sich vielmehr geborgen in dem, der ihn hält und neue Quellen
fließen lässt.
Orgelmusik
(ca. 3 Minuten)
Lied
Wo Menschen sich
vergessen… Heft 176
Schuldbekenntnis –
Lossprechungsbitte
Hinführung.
Die Vergebung
Gottes setzt voraus, dass wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen.
Selbst wenn wir uns wie im Eimer fühlen, aus dessen Löcher all das
herausläuft, was wir geschenkt bekommen, warum macht uns das
hoffnungslos traurig, wenn wir ihn in das Meer der Barmherzigkeit
Gottes tauchen können?
Von unserer inneren Haltung her genügt es, wenn wir uns eingestehen,
dass wir hinter unseren Möglichkeiten geblieben sind.
Darum wollen wir jetzt sprechen:
Ich bekenne … (weiter GL 353,4)
Aktion
Nehmen Sie die
Karte mit und stellen Sie sie irgendwie gut sichtbar hin, um sich zu
erinnern…
Schlusslied
Heb die Augen… GL
854, 1.-3. Str.
Segen
(Willi Hoffsümmer)
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