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Von der
Nestwärme
Sonntag in
der Weihnachtsoktav
(ab 1. Schuljahr und Familien)
Gottesdienst
als PDF-Datei
Vorbereitet
liegt ein Vogelnest oder/und die Postkarte (evtl. für
jede(n) Nr. 60160895 im Butzon & Bercker-Verlag, D-47623 Kevelaer,
Tel. 02832/9290, Fax /929-212. Die Karte zeigt zwei Hände – wie zum
Nest geformt – in denen ein Spatz hockt. Darunter der Spruch von
Exupéry: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir
vertraut gemacht hast.“
Hinweis
Wegen der Fülle der Texte entfällt der Abdruck von Liedern.
Lied zu Beginn
Stern über
Bethlehem Tr 495
Licht, das uns
erschien GL 129
Begrüßung
Wir legen das große Plus über uns und beginnen: Im Namen …
Hinführung
Einer hat einmal gesagt: „Wenn die Festung ‚Familie’
gefallen ist, kann man die Kirchen schließen!“ (Bischof Rudolf Graber).
Wo sich mittlerweile manches Chaos ausbreitet, werden die Stimmen
lauter, die sagen: „Alles beginnt mit der Familie.“ Selbst die große
Untersuchung in den Schulen, „PISA“, mahnt eine neue Familienpolitik
an: Es müsse sichergestellt werden, dass jemand Zuhause bei den
Schulaufgaben hilft und so Verwahrlosung verhindert. Denn ein Kind, das
nicht richtig schreiben, lesen oder rechnen kann, hat verloren – ob nun
das Studium gebührenfrei ist oder nicht, ob es Gesamtschulen gibt oder
nicht.
Wir wollen im Angesichte Gottes still werden und uns am
Fest der Hl. Familie besinnen.
Bußakt
Die Zukunft unseres Landes wird so sein, wie die Qualität unserer
Familien.
Die Zukunft der Pfarrfamilien wird so sein, wie die Weitergabe unseres
Glaubens in den Familien. Weil wir da alle Wichtiges versäumt haben,
sprechen wir:
Ich bekenne … weiter GL 353,4
Vergebungsbitte: … und schenke uns Zukunft.
Glorialied
Singen wir mit Fröhlichkeit GL 135
Tagesgebet
Herr, unser Gott. In der Heiligen Familie, in Jesus, Maria und Josef,
hast du ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Hilf auch unseren Familien,
im Vertrauen auf dich und in der Eintracht miteinander zu leben, damit
sie in Liebe verbunden bleiben. Darum bitten wir durch Christus, unseren
Herrn.
Lesung aus dem Kolosserbrief
Einleitung:
Wir hören, wie das Miteinander in einer Familie gelingen kann.
Der Apostel Paulus
schreibt: Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen.
Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde,
Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem
anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so
vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das
Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen
herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen
Leibes. Seid dankbar!
(Kol 3,12-15)
Zwischengesang
O Kindelein, von
Herzen GL 140,3.-5.Str.
Evangelium nach Lukas (Lesejahr B)
Einleitung:
Ein Kind bringt Licht in eine Familie. Das Jesuskind brachte Licht für
die ganze Welt.
In Jerusalem lebte
damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf
die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen
Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er
den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den
Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen,
was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und
pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr,
deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen
haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die
Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine
Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.…
(Lk 2,25-33)
Alternativ
Lesejahr C: Lk 2,41-52: Es gibt eine Liebe, die die Liebe zu den Eltern
übersteigt.
Predigt
(L. = zeigt das
Vogelnest)
Im Leben eines
Menschen ist entscheidend, ob er „Nestwärme“ erfahren hat. An diesem
Vogelnest hier lässt sich erkennen, was mit Nestwärme gemeint ist: Da
hocken Eltern und Kinder hautnah zusammen, da ist Geborgenheit zu
spüren. Und wer zur Brutzeit morgens hinhört, der kann vernehmen, welch
froher jubelnder Gesang aus jedem Nest kommt, bevor die Futtersuche
beginnt. Da wird ein Vogelkind in einer wunderbar positiven Atmosphäre
groß.
(Wenn die Postkarte
ausgeteilt oder dieses Motiv vorne ausreichend groß zu sehen ist:
Wir sehen einen kleinen Spatz – geborgen in zwei Händen. Ein wunderbares
Symbol für ein Kind, das in einer Nestwärme der Familie groß werden
darf. Mit Nestwärme ist gemeint: Da hocken Eltern und Kinder hautnah
zusammen, da ist Geborgenheit zu spüren und wer zur Brutzeit morgens
hinhört, der kann vernehmen, welch froher jubelnder Gesang aus jedem
Nest kommt, bevor die Futtersuche beginnt. Da wird ein Vogelkind in
einer wunderbar positiven Atmosphäre groß.)
Anhand vieler
Begebenheiten hören wir einmal, was „Nestwärme“ oder „aus dem Nest
geworfen“ meint. Den Alleinerziehenden unter uns, denen die ein oder
andere Begebenheit sicher tief ins Herz schneiden kann, dürfen wir vorab
versichern: Besser allein erziehen als in der Angst einer Hölle groß
werden.
(Jetzt bitte
unbedingt auswählen!)
1.
Wie wichtig die Zuwendung in der Familie ist:
Am 4. November 1970
fand man in Amerika ein Mädchen im Alter von 13 Jahren und 7 Monaten.
Dieses Mädchen Jeanie war von ihrem seelisch kranken Vater vom 20.
Lebensmonat an in eine dunkle Kammer eingesperrt worden. Niemand durfte
mit ihm sprechen.
Als man es fand, war
es 1,35 m groß. Jeanie wog mit ihren 13 Jahren nur 25 Kilo und war
außerstande, gerade zu stehen und Nahrung beim Essen zu kauen. Nachdem
man das Mädchen gefunden hatte, hat es alle nur erdenkliche Liebe
Zuwendung und Fürsorge erfahren. Aber es dauerte fast sieben Jahre, ehe
man von der nunmehr bereits Zwanzigjährigen berichten konnte, sie habe
ein Bild mit ein paar Worten gemalt. Es handelte sich um eine
Umrisszeichnung einer Frau. Darunter hatte Jeanie geschrieben: „Ich
vermisse Mama.“ Die linke Hand dieser Frau hatte sie sehr groß gemalt
und hinzugeschrieben: „Mamas Hand.“ Auf dem Arm dieser Frau hatte sie
ein puppenähnliches Wesen gezeichnet und daneben geschrieben: „Baby
Jeanie.“
(aus einer Predigt
von E. Drewermann am 8.9.1985)
2.
Wenn diese Zuwendung nicht erfahren wird, werden die Weichen u.
U. schon für ein ganzes Leben falsch gestellt:
Ein Kinderarzt, der
Kinder auf ihre Schulfähigkeit untersuchte, begrüßte jedes Kind im
Behandlungszimmer mit dem freundlichen Satz: „Du bist aber ein liebes
Kind!“ Jedes Kind lächelte und nickte dazu.
Ein kleiner Junge
schüttelte traurig und ernst den Kopf: „Nein, ich bin kein lieber
Junge!“ „Aber das sehe ich doch, dass du lieb bist!“ „Nein“, sagte das
Kerlchen, „ich bin nicht lieb. Ich bin der böse Friedrich!“
Wie oft hatte er das
wohl gehört – bis er es selber glaubte! Er konnte noch nicht lesen und
schreiben. Aber er konnte sich schon nicht mehr leiden.
(nach Hans Albert
Höntges)
Dazu die Beobachtung
eines Gefängnispfarrers:
„Was sind deine
schwierigsten Fälle?“ fragte ich einen Gefängnispfarrer. Darauf kam
sofort und bestimmt diese Antwort: „Die schwierigsten Fälle im Gefängnis
sind die, denen beim Wort ‚Mutter’ nichts Gutes einfällt!“
3.
Natürlich ist das Zeithaben für die Kinder nach anstrengender
Berufsarbeit gewaltig fordernd, aber ungeheuer wichtig. Und, wie
Untersuchungen zeigen: Es gibt nichts Entspannenderes als mit Kindern zu
spielen.
Zunächst ein Dialog
zwischen Kind und Mutter:
„Mutti, warum willst
du nicht mit mir spielen?“
„Weil ich keine Zeit
habe.“
„Warum hast du keine
Zeit?“
„Weil ich arbeiten
muss.“
„Warum arbeitest
du?“
„Um Geld zu
verdienen“
„Warum verdienst du
Geld?“
„Um dir Essen zu
geben.“
Kleine Pause. –
Dann sagt Nelly:
„Mutti, ich habe keinen Hunger.“
(nach Sigismund von
Radecki)
Wie groß die
Sehnsucht eines Kindes sein kann, zeigt das Verhalten eines Jungen:
Ein Junge fragte
seinen Vater, als er abends von der Arbeit nach Hause kam: „Papa, wie
viel Geld bekommst du für eine Stunde Arbeit?“ Erstaunt sah der den
Jungen an und antwortete: „20 Euro.“
Da sagte der Junge:
„Papa, kannst du mir fünf Euro geben?“ Der Vater war über diese Frage
verblüfft und ärgerlich zugleich und schickte seinen Jungen aufs Zimmer.
Nach einiger Zeit schlug dem Vater doch das Gewissen, und er ging zu
ihm, um sich zu entschuldigen.
„Hier“, sagte er,
„hast du die fünf Euro, nach denen du gefragt hast.“ Erfreut nahm der
Junge das Geld und holte unter seiner Matratze weiteres Geld hervor, das
er eifrig zählte.
„Junge“, fragte der
Vater, „woher hast du das Geld und was willst du damit?“
Der Junge schaute
seinen Papa an und sagte: „Jetzt habe ich 20 Euro zusammen. Papa; kann
ich eine Stunde von dir kaufen?“
(Joseph Weissmann)
Die Spielsachen in
Kinderzimmern quellen oft an der Tür heraus. Sie kosten ein Vermögen.
Wenn die Eltern die Stunden nähmen, die sie dafür gearbeitet haben und
sie direkt dem Kind schenken würden, wäre das not-wendiger. Das mag uns
folgende Begebenheit klar machen:
Ein Vater nahm
seinen kleinen Sohn täglich auf die Knie und erzählte ihm Märchen. Eines
Tages brachte er seinem Sohn ein Tonbandgerät und viele
Märchen-Kassetten mit nach Hause.
Als er den Jungen
nach einigen Tagen fragte, wie ihm die Märchen auf Kassetten gefielen,
antwortete dieser: „Überhaupt nicht! Dem Tonband kann ich nicht auf den
Knien sitzen.“
(nach Ernst Sieber)
(alternativ dazu:
Im Haus ertönt
plötzlich sehr lautes Kindergeschrei. „Unser Kind“, ruft die Frau zum
Mann und dann stürzen beide zum Kinderzimmer. Sie reißen die Tür auf. Da
sehen sie es: Ihre Tochter sitzt inmitten ihrer Plüschtiere, neben ihrem
Super–Dino, umgeben von Puppen und Spielen aller Art, auf dem Boden. Die
Tränen laufen ihr die Wangen herunter und sie schreit: „Mir ist
langweilig!“
Die Eltern sehen sich ratlos an „Was hat sie nur? Wir haben ihr doch
alles gekauft!? Sie hat doch alles!“
[nach
Bernhard Schönemann])
Es ist wie bei dem
berufstätigen Ehepaar, das ins Spielwarengeschäft hastet und der
Verkäuferin erläutert: „Wir sind den ganzen Tag beruflich von zu Hause
weg. Wir brauchen etwas, was die Kleine erfreut, sie lange beschäftigt
und ihr das Gefühl des Alleinseins nimmt.“ – „Tut mir Leid“, lächelt die
Verkäuferin freundlich, „Eltern führen wir nicht!“
4.
Wir müssen uns immer wieder in die Seele eines Kindes
hineinfühlen, um es zu verstehen, wenn die Nestwärme nur für Stunden
gewährleistet ist. Folgende Begebenheit kann uns da „umwerfen“:
Patrick ist es
gewohnt: Wenn er von der Schule nach Hause kommt, dann ist keiner da.
Doch heute ist alles anders. Als er die Wohnungstüre öffnet, erblickt er
zu seiner Überraschung seine Mutter. Sie kommt ihm entgegen. Aber zu
ihrem Erstaunen dreht sich Patrick sofort um und rennt die Treppe wieder
hinunter. Seine Mutter läuft ihm nach und ruft ganz durcheinander:
„Patrick, freust du dich nicht, dass ich schon da bin? Wegen dir bin ich
doch heute früher als sonst heimgekommen. Ich wollte da sein, wenn du
kommst. Warum rennst du denn weg?“
Patrick bleibt
stehen und schreit ganz aufgeregt: „Ich gehe doch nur in den Hof, um mit
den anderen Kindern zu spielen. Warte ein paar Minuten! Dann öffne das
Fenster und ruf ganz laut zum Fenster hinaus: ‚Patrick, Patrick!’ Ja,
ruf mich, wie die anderen Mütter ihre Kinder beim Namen rufen. Ruf:
‚Patrick, ich bin schon da. Komm heim!’“
(Martin Ebner/Stefan
Mai in Puk 1/2006, S. 710)
5.
Hunderttausende Kinder in unserem Land leben schon unter der
Armutsgrenze, können also immer nur neidvoll verschmerzen, was andere
Kinder anhaben und sich leisten können. Wenn solche Kinder nicht mehr
von einer Nestwärme gehalten werden, kann es zu folgenden
Ausfallerscheinungen führen:
Ein Junge erzählt:
Sie war sehr arm und schmutzig. Grausam wie Kinder sein können, ließen
wir sie nicht nur abseits stehen bei unseren Spielen – wir lachten sie
aus.
Doch eines Tages
überraschte sie uns mit drei großen Netzen herrlicher Bälle. Staunend
umstanden wir das Mädchen, hatten aber nur Augen für die bunte Pracht.
Strahlend vor Glück verteilte sie Ball um Ball an uns, die wir doch
immer so hässlich zu ihr gewesen waren. Wir jubelten, stritten um den,
bettelten um jenen noch viel schöneren Ball und liefen mit unserer Beute
davon.
Nur ich sah mich
noch einmal nach der verwahrlosten kleinen Gestalt um. Auf ihrem Gesicht
lag noch immer ein Lächeln, aber es sah seltsam aus, wie festgefroren.
Noch am selben Tage
gingen Polizisten von Tür zu Tür. Die schönen bunten Bälle wurden
mitgenommen. Sie waren gestohlen worden oder von gestohlenem Geld
gekauft – das weiß ich nicht mehr. Was ich aber nie vergessen habe, ist
das seltsam eingefrorene Lächeln des Mädchens: Versteinertes Glück.
Die Kleine hatte
gestohlen, um einmal von uns anerkannt zu werden oder auch nur, um
einmal das Glück des Schenkens-Könnens zu erleben, das schmutzige, arme
und – wie die Großen sagten – ganz und gar verdorbene Kind.
(E. Mahlow)
6.
Vor allem leiden Kinder, wenn Zuhause dauernde Streiterei
angesagt ist. Es ist zum Davonlaufen. Gerade Jugendliche werden so auf
die Straße getrieben.
Es gab Krach in der
Familie. Ein heftiger Wortwechsel zwischen Vater und Mutter. Die Kinder
stumm dabei. Heimlich stiehlt sich die Zwölfjährige davon, läuft zu
einer Telefonzelle und wählt die Nummer der Eltern.
Zu Hause hört der
Vater überrascht, wie sich eine Mädchenstimme meldet: „Guten Tag, ich
bin Reporterin und mache eine Umfrage für eine Illustrierte: Lieben Sie
Ihre Frau?“ Der Vater – völlig verdutzt – zögerte lange: „Ja, hm,
natürlich!“ Dann ruft er: „Helga, komm doch mal.“ Die Mutter erkennt
auch erst nach einer Schrecksekunde die Stimme ihrer Tochter: „Verzeihen
Sie, ich mache eine Umfrage: Lieben Sie Ihren Mann?“ „Ja“, sagt sie
völlig verwirrt. „Danke!“ ruft die kleine Stimme am anderen Ende der
Leitung … „Jetzt brauche ich erst einmal einen Kaffee“, seufzt der
Vater.
(Ludolf Ulrich)
Schon die Weisheit
der Völker sagt: Die wichtigste Münze im Haus ist die Versöhnung – immer
wieder neu.
7.
Was Eltern vorleben, kommt zurück – positiv wie negativ – auch
wenn wir manchmal Jahre warten müssen. Dazu zum Schluss zwei Beispiele:
a)
Keine Zeit für die Eltern?
Eine Frau schreibt:
Wenn meine Großmutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür
drei Tage. Einen Tag fuhr sie mit Bekannten in der Pferdekutsche hin,
einen Tag blieb sie dort, erzählte und erfuhr das Neueste, half in der
Küche oder im Garten. Am dritten Tag fuhr sie heim.
Wenn meine Mutter
ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür zwei Tage: Sie fuhr mit
dem Zug. Wenn sie Glück hatte, bekam sie Anschluss. Sie erzählte und
erfuhr das Neueste, übernachtete dort und fuhr am nächsten Tag zurück.
Wenn wir zu meiner
Mutter fahren, brauchen wir dafür mit dem Auto eine halbe Stunde. Lange
können wir aber nicht bleiben, denn die Kinder werden unruhig, und wir
wollen ja noch die neue Standuhr abholen, und außerdem müssen wir noch
unbedingt schnell die Papiere zum Steuerberater bringen oder was sonst
alles ansteht.
Was wird sein, wenn
mich meine Kinder besuchen wollen?
(Willi Hoffsümmer,
In Geschichten das Leben spiegeln,
Grünewald 19992,
Nr. 23)
b)
Die Märchen der Gebrüder Grimm geben uns im Kern jahrhunderte
alte Erfahrungen aus dem menschlichen Miteinander wider. Wenn bald die
Alters-Pyramide in unserem Land umgekehrt funktionieren soll, also
wenige unten viele oben tragen müssen, dann sollte folgende Begebenheit
zur Warnung ganz oben drüberstehen:.
Ein Vater war sehr
alt und zittrig geworden, so dass er beim Essen Suppe auf das Tischtuch
schüttete. Manchmal floss ihm auch etwas aus dem Mund. Sein Sohn und
dessen Frau ekelten sich davor. Schließlich setzten sie ihn hinter den
Ofen in die Ecke. Dort saß er nun betrübt und allein und sah zum Tisch.
Einmal entfiel
seinen zittrigen Händen auch noch das Schüsselchen, aus dem er aß, und
zerbrach. Die junge Frau schimpfte ihn aus. Sie kaufte ihm eine hölzerne
Schüssel; daraus musste er nun essen.
Eines Tages trug der
Enkel von vier Jahren kleine Brettchen zusammen. „Was machst du da?“
fragte ihn der Vater. „Ich mache einen kleinen Topf“, antwortete das
Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn sie alt sind.“
Da sahen sich Vater
und Mutter an. Sie holten sofort den alten Großvater an den Tisch. Und
sie sagten auch nichts mehr, wenn er ein wenig verschüttete.
(L. zeigt noch
einmal das Vogelnest:)
Die erfahrene
Nestwärme schenkt einem Menschen ein Leben lang starke Wurzeln. Es ist
eine unserer schönsten Aufgaben, Menschen gegen die Stürme des Lebens
stark zu machen.
(Bei der
Postkarte:)
Das Kind, der Spatz
im Nest der Familie, braucht starke Flügel, wenn es das Leben bestehen
soll. In der erfahrenen Nestwärme schenken wir ihm Zukunft.
Ganz davon
abgesehen, dass wir uns das zu Herzen nehmen, was unter dem Bild steht:
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht
hast. (Exupèry)
Heute, am Fest der
Heiligen Familie, sind wir hier, um das im Angesichte Gottes
klarzumachen und dafür die Hilfe von oben zu erflehen.
Credolied
Ein Kind ist uns geboren heut GL 136
Es ist ein Ros entsprungen GL 132
Fürbitten (bitte auswählen)
L.: Guter Gott. Du stehst zu uns, wie gute Eltern zu ihren Kindern.
Wir bitten dich:
1. Für die christlichen Kirchen: Dass sie sich einsetzen für das Wohl
der Familien
und Stütze denen sind, die auseinanderbrechen. – Stille.
2. Für die Staaten und Länder: Dass sie Familien fördern als ihre
gesunden Urzellen. – Stille
1. Für unsere christlichen Gemeinden: Dass wir wie eine Familie
werden, die miteinander und füreinander lebt. – Stille.
2. Für die Kinder: dass sie in ihrer Kindheit genügend Nestwärme
erfahren und innerlich starke Menschen werden. – Stille.
1. Für die Jugendlichen: dass sie mit starken Wurzeln das Leben
sinnerfüllt gestalten können. – Stille.
2. Für die älteren Menschen: Dass sie ungebrochen in ihrem Herzen und
in ihrem Geist bleiben und sich auch im Alter einer Familie zugehörig
fühlen. – Stille.
1. Für die allein erziehenden Mütter und Väter: Dass sie Verwandte und
Freunde haben, die sie unterstützen und ihnen helfen, ihre schwere
Aufgabe zu meistern. – Stille.
2. Für alle, die von einer Familie übrig geblieben sind, jetzt allein
leben und alleine essen müssen: Dass sie mit den leeren Plätzen an ihrer
Seite leben können. – Stille.
L.: Guter Gott. Du
bist uns nahe. Auf deine Gnade und dein Erbarmen dürfen wir vertrauen.
Dich loben wir alle Zeit durch Christus im Heiligen Geist. Amen.
(nach Maximilian
Wolters)
Gabenlied
Jauchzt, ihr Himmel GL 144
Gabengebet
Gott, du Quelle des Lebens. Durchdringe mit deiner belebenden Kraft
diese Gaben von Brot und Wein, damit sie uns helfen im Miteinander und
Ringen um Gemeinschaft und Frieden. Das erbitten wir durch Christus
unseren Herrn.
Vaterunser – Friedensgruß
Lied zur Kommunion
Wie ein Vogel im Nest Tr 109
Meditation nach der Kommunion
1. Eine
neue Armut bricht aus,
wenn in zerbrechenden Familien die Bezugspersonen ständig wechseln;
wenn die Sehnsucht nach Geborgenheit
nicht mehr gestillt werden kann;
wenn die Zuwendung durch Konsum ersetzt wird.
2. Eine
neue Armut bricht aus,
wenn Gefühle keinen Ausdruck mehr finden,
wenn der Fernseher die Gespräche verdrängt. –
Wenn Benachteiligung aus der Gesellschaft herausdrängt,
wächst die Gewalt und das Benutzen.
1. Ein Zuhause bedeutet: Einen Ort haben, an dem ich lieb haben darf;
wo ich Raum bekomme zum Plaudern und Grübeln;
Zeit habe zum Singen und Spielen
und das Herz sprechen lassen darf –
im versöhnlichen Blick und im herzlichen Kuss.
2. Darum will ich Kindern nichts vorenthalten,
was mir wichtig ist: Das Schenken und Empfangen,
der tägliche Kampf gegen Lüge und Gleichgültigkeit.
Ich möchte sie wachsen lassen im Vertrauen,
in der Zärtlichkeit, in der Liebe und Verantwortung.
Damit sie das Leben bestehen!
(nach Haneberg, Mertens und Jacobs)
Schlussgebet
Barmherziger Gott. Wir danken dir für diese Feier und deine Nähe, die du
uns in Wort und im lebendigen Brot deines Sohnes geschenkt hast. Hilf
uns, davon in der Nestwärme, im Vertrauen und in der
Friedensbereitschaft weiterzugeben – durch Christus, unseren Herrn.
Segen – Schlusslied
Alle Knospen springen auf Tr 94
Nun freut euch, ihr Christen GL 143
(Willi Hoffsümmer)

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