Von der Nestwärme
 
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27.08.06

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Von der Nestwärme
Sonntag in der Weihnachtsoktav

(ab 1. Schuljahr und Familien)

Gottesdienst als PDF-Datei


Vorbereitet liegt ein Vogelnest oder/und die Postkarte (evtl. für jede(n) Nr. 60160895 im Butzon & Bercker-Verlag, D-47623 Kevelaer, Tel. 02832/9290, Fax /929-212. Die Karte zeigt zwei Hände – wie zum Nest geformt – in denen ein Spatz hockt. Darunter der Spruch von Exupéry: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Hinweis

Wegen der Fülle der Texte entfällt der Abdruck von Liedern.

Lied zu Beginn

Stern über Bethlehem            Tr 495

Licht, das uns erschien          GL 129

Begrüßung

Wir legen das große Plus über uns und beginnen: Im Namen …

 

Hinführung

Einer hat einmal gesagt: „Wenn die Festung ‚Familie’ gefallen ist, kann man die Kirchen schließen!“ (Bischof Rudolf Graber). Wo sich mittlerweile manches Chaos ausbreitet, werden die Stimmen lauter, die sagen: „Alles beginnt mit der Familie.“ Selbst die große Untersuchung in den Schulen, „PISA“, mahnt eine neue Familienpolitik an: Es müsse sichergestellt werden, dass jemand Zuhause bei den Schulaufgaben hilft und so Verwahrlosung verhindert. Denn ein Kind, das nicht richtig schreiben, lesen oder rechnen kann, hat verloren – ob nun das Studium gebührenfrei ist oder nicht, ob es Gesamtschulen gibt oder nicht.

Wir wollen im Angesichte Gottes still werden und uns am Fest der Hl. Familie besinnen.

Bußakt

Die Zukunft unseres Landes wird so sein, wie die Qualität unserer Familien.

Die Zukunft der Pfarrfamilien wird so sein, wie die Weitergabe unseres Glaubens in den Familien. Weil wir da alle Wichtiges versäumt haben, sprechen wir:
Ich bekenne … weiter GL 353,4

Vergebungsbitte: … und schenke uns Zukunft.

 

Glorialied

Singen wir mit Fröhlichkeit    GL 135

Tagesgebet

Herr, unser Gott. In der Heiligen Familie, in Jesus, Maria und Josef, hast du ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Hilf auch unseren Familien, im Vertrauen auf dich und in der Eintracht miteinander zu leben, damit sie in Liebe verbunden bleiben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Lesung aus dem Kolosserbrief

Einleitung: Wir hören, wie das Miteinander in einer Familie gelingen kann.

Der Apostel Paulus schreibt: Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!

(Kol 3,12-15)

Zwischengesang

O Kindelein, von Herzen        GL 140,3.-5.Str.

Evangelium nach Lukas (Lesejahr B)

Einleitung: Ein Kind bringt Licht in eine Familie. Das Jesuskind brachte Licht für die ganze Welt.

In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.

Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast,

ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.…

(Lk 2,25-33)

Alternativ Lesejahr C: Lk 2,41-52: Es gibt eine Liebe, die die Liebe zu den Eltern übersteigt.

Predigt

(L. = zeigt das Vogelnest)

Im Leben eines Menschen ist entscheidend, ob er „Nestwärme“ erfahren hat. An diesem Vogelnest hier lässt sich erkennen, was mit Nestwärme gemeint ist: Da hocken Eltern und Kinder hautnah zusammen, da ist Geborgenheit zu spüren. Und wer zur Brutzeit morgens hinhört, der kann vernehmen, welch froher jubelnder Gesang aus jedem Nest kommt, bevor die Futtersuche beginnt. Da wird ein Vogelkind in einer wunderbar positiven Atmosphäre groß.

(Wenn die Postkarte ausgeteilt oder dieses Motiv vorne ausreichend groß zu sehen ist: Wir sehen einen kleinen Spatz – geborgen in zwei Händen. Ein wunderbares Symbol für ein Kind, das in einer Nestwärme der Familie groß werden darf. Mit Nestwärme ist gemeint: Da hocken Eltern und Kinder hautnah zusammen, da ist Geborgenheit zu spüren und wer zur Brutzeit morgens hinhört, der kann vernehmen, welch froher jubelnder Gesang aus jedem Nest kommt, bevor die Futtersuche beginnt. Da wird ein Vogelkind in einer wunderbar positiven Atmosphäre groß.)

Anhand vieler Begebenheiten hören wir einmal, was „Nestwärme“ oder „aus dem Nest geworfen“ meint. Den Alleinerziehenden unter uns, denen die ein oder andere Begebenheit sicher tief ins Herz schneiden kann, dürfen wir vorab versichern: Besser allein erziehen als in der Angst einer Hölle groß werden.

(Jetzt bitte unbedingt auswählen!)

1.      Wie wichtig die Zuwendung in der Familie ist:

Am 4. November 1970 fand man in Amerika ein Mädchen im Alter von 13 Jahren und 7 Monaten. Dieses Mädchen Jeanie war von ihrem seelisch kranken Vater vom 20. Lebensmonat an in eine dunkle Kammer eingesperrt worden. Niemand durfte mit ihm sprechen.

Als man es fand, war es 1,35 m groß. Jeanie wog mit ihren 13 Jahren nur 25 Kilo und war außerstande, gerade zu stehen und Nahrung beim Essen zu kauen. Nachdem man das Mädchen gefunden hatte, hat es alle nur erdenkliche Liebe Zuwendung und Fürsorge erfahren. Aber es dauerte fast sieben Jahre, ehe man von der nunmehr bereits Zwanzigjährigen berichten konnte, sie habe ein Bild mit ein paar Worten gemalt. Es handelte sich um eine Umrisszeichnung einer Frau. Darunter hatte Jeanie geschrieben: „Ich vermisse Mama.“ Die linke Hand dieser Frau hatte sie sehr groß gemalt und hinzugeschrieben: „Mamas Hand.“ Auf dem Arm dieser Frau hatte sie ein puppenähnliches Wesen gezeichnet und daneben geschrieben: „Baby Jeanie.“

(aus einer Predigt von E. Drewermann am 8.9.1985)

2.      Wenn diese Zuwendung nicht erfahren wird, werden die Weichen u. U. schon für ein ganzes Leben falsch gestellt:

Ein Kinderarzt, der Kinder auf ihre Schulfähigkeit untersuchte, begrüßte jedes Kind im Behandlungszimmer mit dem freundlichen Satz: „Du bist aber ein liebes Kind!“ Jedes Kind lächelte und nickte dazu.

Ein kleiner Junge schüttelte traurig und ernst den Kopf: „Nein, ich bin kein lieber Junge!“ „Aber das sehe ich doch, dass du lieb bist!“ „Nein“, sagte das Kerlchen, „ich bin nicht lieb. Ich bin der böse Friedrich!“

Wie oft hatte er das wohl gehört – bis er es selber glaubte! Er konnte noch nicht lesen und schreiben. Aber er konnte sich schon nicht mehr leiden.

(nach Hans Albert Höntges)

Dazu die Beobachtung eines Gefängnispfarrers:

„Was sind deine schwierigsten Fälle?“ fragte ich einen Gefängnispfarrer. Darauf kam sofort und bestimmt diese Antwort: „Die schwierigsten Fälle im Gefängnis sind die, denen beim Wort ‚Mutter’ nichts Gutes einfällt!“

3.      Natürlich ist das Zeithaben für die Kinder nach anstrengender Berufsarbeit gewaltig fordernd, aber ungeheuer wichtig. Und, wie Untersuchungen zeigen: Es gibt nichts Entspannenderes als mit Kindern zu spielen.

Zunächst ein Dialog zwischen Kind und Mutter:

„Mutti, warum willst du nicht mit mir spielen?“

„Weil ich keine Zeit habe.“

„Warum hast du keine Zeit?“

„Weil ich arbeiten muss.“

„Warum arbeitest du?“

„Um Geld zu verdienen“

„Warum verdienst du Geld?“

„Um dir Essen zu geben.“

Kleine Pause. –

Dann sagt Nelly: „Mutti, ich habe keinen Hunger.“

(nach Sigismund von Radecki)

Wie groß die Sehnsucht eines Kindes sein kann, zeigt das Verhalten eines Jungen:

Ein Junge fragte seinen Vater, als er abends von der Arbeit nach Hause kam: „Papa, wie viel Geld bekommst du für eine Stunde Arbeit?“ Erstaunt sah der den Jungen an und antwortete: „20 Euro.“

Da sagte der Junge: „Papa, kannst du mir fünf Euro geben?“ Der Vater war über diese Frage verblüfft und ärgerlich zugleich und schickte seinen Jungen aufs Zimmer. Nach einiger Zeit schlug dem Vater doch das Gewissen, und er ging zu ihm, um sich zu entschuldigen.

„Hier“, sagte er, „hast du die fünf Euro, nach denen du gefragt hast.“ Erfreut nahm der Junge das Geld und holte unter seiner Matratze weiteres Geld hervor, das er eifrig zählte.

„Junge“, fragte der Vater, „woher hast du das Geld und was willst du damit?“

Der Junge schaute seinen Papa an und sagte: „Jetzt habe ich 20 Euro zusammen. Papa; kann ich eine Stunde von dir kaufen?“

 (Joseph Weissmann)

Die Spielsachen in Kinderzimmern quellen oft an der Tür heraus. Sie kosten ein Vermögen. Wenn die Eltern die Stunden nähmen, die sie dafür gearbeitet haben und sie direkt dem Kind schenken würden, wäre das not-wendiger. Das mag uns folgende Begebenheit klar machen:

Ein Vater nahm seinen kleinen Sohn täglich auf die Knie und erzählte ihm Märchen. Eines Tages brachte er seinem Sohn ein Tonbandgerät und viele Märchen-Kassetten mit nach Hause.

Als er den Jungen nach einigen Tagen fragte, wie ihm die Märchen auf Kassetten gefielen, antwortete dieser: „Überhaupt nicht! Dem Tonband kann ich nicht auf den Knien sitzen.“

(nach Ernst Sieber)

(alternativ dazu:

Im Haus ertönt plötzlich sehr lautes Kindergeschrei. „Unser Kind“, ruft die Frau zum Mann und dann stürzen beide zum Kinderzimmer. Sie reißen die Tür auf. Da sehen sie es: Ihre Tochter sitzt inmitten ihrer Plüschtiere, neben ihrem Super–Dino, umgeben von Puppen und Spielen aller Art, auf dem Boden. Die Tränen laufen ihr die Wangen herunter und sie schreit: „Mir ist langweilig!“

Die Eltern sehen sich ratlos an „Was hat sie nur? Wir haben ihr doch alles gekauft!? Sie hat doch alles!“

[nach Bernhard Schönemann])

Es ist wie bei dem berufstätigen Ehepaar, das ins Spielwarengeschäft hastet und der Verkäuferin erläutert: „Wir sind den ganzen Tag beruflich von zu Hause weg. Wir brauchen etwas, was die Kleine erfreut, sie lange beschäftigt und ihr das Gefühl des Alleinseins nimmt.“ – „Tut mir Leid“, lächelt die Verkäuferin freundlich, „Eltern führen wir nicht!“

4.      Wir müssen uns immer wieder in die Seele eines Kindes hineinfühlen, um es zu verstehen, wenn die Nestwärme nur für Stunden gewährleistet ist. Folgende Begebenheit kann uns da „umwerfen“:

Patrick ist es gewohnt: Wenn er von der Schule nach Hause kommt, dann ist keiner da. Doch heute ist alles anders. Als er die Wohnungstüre öffnet, erblickt er zu seiner Überraschung seine Mutter. Sie kommt ihm entgegen. Aber zu ihrem Erstaunen dreht sich Patrick sofort um und rennt die Treppe wieder hinunter. Seine Mutter läuft ihm nach und ruft ganz durcheinander: „Patrick, freust du dich nicht, dass ich schon da bin? Wegen dir bin ich doch heute früher als sonst heimgekommen. Ich wollte da sein, wenn du kommst. Warum rennst du denn weg?“

Patrick bleibt stehen und schreit ganz aufgeregt: „Ich gehe doch nur in den Hof, um mit den anderen Kindern zu spielen. Warte ein paar Minuten! Dann öffne das Fenster und ruf ganz laut zum Fenster hinaus: ‚Patrick, Patrick!’ Ja, ruf mich, wie die anderen Mütter ihre Kinder beim Namen rufen. Ruf: ‚Patrick, ich bin schon da. Komm heim!’“

(Martin Ebner/Stefan Mai in Puk 1/2006, S. 710)

5.      Hunderttausende Kinder in unserem Land leben schon unter der Armutsgrenze, können also immer nur neidvoll verschmerzen, was andere Kinder anhaben und sich leisten können. Wenn solche Kinder nicht mehr von einer Nestwärme gehalten werden, kann es zu folgenden Ausfallerscheinungen führen:

Ein Junge erzählt: Sie war sehr arm und schmutzig. Grausam wie Kinder sein können, ließen wir sie nicht nur abseits stehen bei unseren Spielen – wir lachten sie aus.

Doch eines Tages überraschte sie uns mit drei großen Netzen herrlicher Bälle. Staunend umstanden wir das Mädchen, hatten aber nur Augen für die bunte Pracht. Strahlend vor Glück verteilte sie Ball um Ball an uns, die wir doch immer so hässlich zu ihr gewesen waren. Wir jubelten, stritten um den, bettelten um jenen noch viel schöneren Ball und liefen mit unserer Beute davon.

Nur ich sah mich noch einmal nach der verwahrlosten kleinen Gestalt um. Auf ihrem Gesicht lag noch immer ein Lächeln, aber es sah seltsam aus, wie festgefroren.

Noch am selben Tage gingen Polizisten von Tür zu Tür. Die schönen bunten Bälle wurden mitgenommen. Sie waren gestohlen worden oder von gestohlenem Geld gekauft – das weiß ich nicht mehr. Was ich aber nie vergessen habe, ist das seltsam eingefrorene Lächeln des Mädchens: Versteinertes Glück.

Die Kleine hatte gestohlen, um einmal von uns anerkannt zu werden oder auch nur, um einmal das Glück des Schenkens-Könnens zu erleben, das schmutzige, arme und – wie die Großen sagten – ganz und gar verdorbene Kind.

(E. Mahlow)

6.      Vor allem leiden Kinder, wenn Zuhause dauernde Streiterei angesagt ist. Es ist zum Davonlaufen. Gerade Jugendliche werden so auf die Straße getrieben.

Es gab Krach in der Familie. Ein heftiger Wortwechsel zwischen Vater und Mutter. Die Kinder stumm dabei. Heimlich stiehlt sich die Zwölfjährige davon, läuft zu einer Telefonzelle und wählt die Nummer der Eltern.

Zu Hause hört der Vater überrascht, wie sich eine Mädchenstimme meldet: „Guten Tag, ich bin Reporterin und mache eine Umfrage für eine Illustrierte: Lieben Sie Ihre Frau?“ Der Vater – völlig verdutzt – zögerte lange: „Ja, hm, natürlich!“ Dann ruft er: „Helga, komm doch mal.“ Die Mutter erkennt auch erst nach einer Schrecksekunde die Stimme ihrer Tochter: „Verzeihen Sie, ich mache eine Umfrage: Lieben Sie Ihren Mann?“ „Ja“, sagt sie völlig verwirrt. „Danke!“ ruft die kleine Stimme am anderen Ende der Leitung … „Jetzt brauche ich erst einmal einen Kaffee“, seufzt der Vater.

(Ludolf Ulrich)

Schon die Weisheit der Völker sagt: Die wichtigste Münze im Haus ist die Versöhnung – immer wieder neu.

7.      Was Eltern vorleben, kommt zurück – positiv wie negativ – auch wenn wir manchmal Jahre warten müssen. Dazu zum Schluss zwei Beispiele:

a)      Keine Zeit für die Eltern?

Eine Frau schreibt: Wenn meine Großmutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür drei Tage. Einen Tag fuhr sie mit Bekannten in der Pferdekutsche hin, einen Tag blieb sie dort, erzählte und erfuhr das Neueste, half in der Küche oder im Garten. Am dritten Tag fuhr sie heim.

Wenn meine Mutter ihre Mutter besuchen wollte, brauchte sie dafür zwei Tage: Sie fuhr mit dem Zug. Wenn sie Glück hatte, bekam sie Anschluss. Sie erzählte und erfuhr das Neueste, übernachtete dort und fuhr am nächsten Tag zurück.

Wenn wir zu meiner Mutter fahren, brauchen wir dafür mit dem Auto eine halbe Stunde. Lange können wir aber nicht bleiben, denn die Kinder werden unruhig, und wir wollen ja noch die neue Standuhr abholen, und außerdem müssen wir noch unbedingt schnell die Papiere zum Steuerberater bringen oder was sonst alles ansteht.

Was wird sein, wenn mich meine Kinder besuchen wollen?

(Willi Hoffsümmer, In Geschichten das Leben spiegeln,

Grünewald 19992, Nr. 23)

b)      Die Märchen der Gebrüder Grimm geben uns im Kern jahrhunderte alte Erfahrungen aus dem menschlichen Miteinander wider. Wenn bald die Alters-Pyramide in unserem Land umgekehrt funktionieren soll, also wenige unten viele oben tragen müssen, dann sollte folgende Begebenheit zur Warnung ganz oben drüberstehen:.

Ein Vater war sehr alt und zittrig geworden, so dass er beim Essen Suppe auf das Tischtuch schüttete. Manchmal floss ihm auch etwas aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor. Schließlich setzten sie ihn hinter den Ofen in die Ecke. Dort saß er nun betrübt und allein und sah zum Tisch.

Einmal entfiel seinen zittrigen Händen auch noch das Schüsselchen, aus dem er aß, und zerbrach. Die junge Frau schimpfte ihn aus. Sie kaufte ihm eine hölzerne Schüssel; daraus musste er nun essen.

Eines Tages trug der Enkel von vier Jahren kleine Brettchen zusammen. „Was machst du da?“ fragte ihn der Vater. „Ich mache einen kleinen Topf“, antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn sie alt sind.“

Da sahen sich Vater und Mutter an. Sie holten sofort den alten Großvater an den Tisch. Und sie sagten auch nichts mehr, wenn er ein wenig verschüttete.

(L. zeigt noch einmal das Vogelnest:)

Die erfahrene Nestwärme schenkt einem Menschen ein Leben lang starke Wurzeln. Es ist eine unserer schönsten Aufgaben, Menschen gegen die Stürme des Lebens stark zu machen.

(Bei der Postkarte:)

Das Kind, der Spatz im Nest der Familie, braucht starke Flügel, wenn es das Leben bestehen soll. In der erfahrenen Nestwärme schenken wir ihm Zukunft.

Ganz davon abgesehen, dass wir uns das zu Herzen nehmen, was unter dem Bild steht: Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. (Exupèry)

Heute, am Fest der Heiligen Familie, sind wir hier, um das im Angesichte Gottes klarzumachen und dafür die Hilfe von oben zu erflehen.

Credolied

Ein Kind ist uns geboren heut            GL 136

Es ist ein Ros entsprungen    GL 132

Fürbitten (bitte auswählen)

L.: Guter Gott. Du stehst zu uns, wie gute Eltern zu ihren Kindern.
Wir bitten dich:

 

1.   Für die christlichen Kirchen: Dass sie sich einsetzen für das Wohl der Familien
und Stütze denen sind, die auseinanderbrechen. – Stille.

2.   Für die Staaten und Länder: Dass sie Familien fördern als ihre gesunden Urzellen. – Stille

1.   Für unsere christlichen Gemeinden: Dass wir wie eine Familie werden, die miteinander und füreinander lebt. – Stille.

2.   Für die Kinder: dass sie in ihrer Kindheit genügend Nestwärme erfahren und innerlich starke Menschen werden. – Stille.

1.   Für die Jugendlichen: dass sie mit starken Wurzeln das Leben sinnerfüllt gestalten können. – Stille.

2.   Für die älteren Menschen: Dass sie ungebrochen in ihrem Herzen und in ihrem Geist bleiben und sich auch im Alter einer Familie zugehörig fühlen. – Stille.

1.   Für die allein erziehenden Mütter und Väter: Dass sie Verwandte und Freunde haben, die sie unterstützen und ihnen helfen, ihre schwere Aufgabe zu meistern. – Stille.

2.   Für alle, die von einer Familie übrig geblieben sind, jetzt allein leben und alleine essen müssen: Dass sie mit den leeren Plätzen an ihrer Seite leben können. – Stille.

L.:  Guter Gott. Du bist uns nahe. Auf deine Gnade und dein Erbarmen dürfen wir vertrauen. Dich loben wir alle Zeit durch Christus im Heiligen Geist. Amen.

(nach Maximilian Wolters)

Gabenlied

Jauchzt, ihr Himmel   GL 144

Gabengebet

Gott, du Quelle des Lebens. Durchdringe mit deiner belebenden Kraft diese Gaben von Brot und Wein, damit sie uns helfen im Miteinander und Ringen um Gemeinschaft und Frieden. Das erbitten wir durch Christus unseren Herrn.

Vaterunser – Friedensgruß

Lied zur Kommunion

Wie ein Vogel im Nest           Tr 109

Meditation nach der Kommunion

1.      Eine neue Armut bricht aus,
wenn in zerbrechenden Familien die Bezugspersonen ständig wechseln;
wenn die Sehnsucht nach Geborgenheit
nicht mehr gestillt werden kann;
wenn die Zuwendung durch Konsum ersetzt wird.

2.      Eine neue Armut bricht aus,
wenn Gefühle keinen Ausdruck mehr finden,

wenn der Fernseher die Gespräche verdrängt. –
Wenn Benachteiligung aus der Gesellschaft herausdrängt,
wächst die Gewalt und das Benutzen.

1.   Ein Zuhause bedeutet: Einen Ort haben, an dem ich lieb haben darf;
wo ich Raum bekomme zum Plaudern und Grübeln;
Zeit habe zum Singen und Spielen
und das Herz sprechen lassen darf –
im versöhnlichen Blick und im herzlichen Kuss.

2.   Darum will ich Kindern nichts vorenthalten,
was mir wichtig ist: Das Schenken und Empfangen,
der tägliche Kampf gegen Lüge und Gleichgültigkeit.
Ich möchte sie wachsen lassen im Vertrauen,
in der Zärtlichkeit, in der Liebe und Verantwortung.
Damit sie das Leben bestehen!

(nach Haneberg, Mertens und Jacobs) 

Schlussgebet

Barmherziger Gott. Wir danken dir für diese Feier und deine Nähe, die du uns in Wort und im lebendigen Brot deines Sohnes geschenkt hast. Hilf uns, davon in der Nestwärme, im Vertrauen und in der Friedensbereitschaft weiterzugeben – durch Christus, unseren Herrn.

Segen – Schlusslied

Alle Knospen springen auf     Tr 94

Nun freut euch, ihr Christen  GL 143

 

(Willi Hoffsümmer)


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