Die Nussregel
 
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27.08.06

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Die Nussregel. Vom Umgang mit biblischen Geschichten

Hl. Messe zum Jahr der Bibel
Fest Kreuzerhöhung: 14. September 2003 
(ab 4. Schuljahr und Familien)


Hinweise

1.   Die Verkündiger des Wortes Gottes leben unter dem Vorwurf, die Ergebnisse der Bibelwissenschaften zu verschweigen und zu riskieren, dass sich vor allem junge Menschen vom Gottesdienst abwenden, weil sie in den Schulen und Unis längst andere Töne hören. Hier ein Versuch, junge und alte Zuhörer/innen einzubinden.

2.   Wenn viele jüngere Kinder zu erwarten sind, sollten sie das abgebildete Rosenkreuz ausmalen. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

3.   Dieser Gottesdienst ist zwar für Sonntag, den 14.9.03, konzipiert, das Problem des Umgangs mit biblischen Geschichten können Sie aber an jedem Sonntag einbringen. Durch die Betonung der Nussregel kommt die Bedeutung des Tages natürlich nicht so zur Geltung, z.B. dass der Altliturge Theodor Schnitzler () dieses Fest „Herbstostern“ nannte.

4.   Das Symbol der Nuss können Sie natürlich noch entfalten, indem Sie überlegen, wie Sie Nuss knacken, ob mit den Zähnen, ob mit einem Nussknacker, von denen es viele Arten gibt ...

5.   Abkürzungen:
GL      = Gotteslob, Kath. Gebet- und Gesangbuch;
L.        = Gottesdienstleiter oder -leiterin;
Spr.    = Sprecherin oder Sprecher;
Tr       = Liederbuch „Troubadour für Gott“.

Vorbereitung

Eine Walnuss liegt bereit.

Lied zu Beginn

Komm her, freu dich mit uns ... GL 519

Hinführung

Als Bert Brecht, ausgewiesener Kommunist, nach seiner Lieblingslektüre gefragt wurde, gab er zur Antwort: „Sie werden lachen - die Bibel!“

Die Bibel ist in 392 Sprachen übersetzt und - in Teilen - in weitere 2 287. -

24 Millionen Exemplare werden jährlich verkauft. Mit 2,5 Billionen Kopien ist sie der größte Bestseller aller Zeiten. Aber ehrlich: Wer liest dieses Buch überhaupt noch? Und viele moderne Bibel­wissenschaftler fordern eine geänderte Sicht der Verkündigung in der Kirche, besonders bezüglich des Alten Testaments.

Bußakt

L.:          Weil das „Buch der Bücher“ bei uns meist noch im Bücherschrank steht, rufen wir: Herr, erbarme dich!

Alle:        Herr, erbarme dich!

L.:          Weil der Liebesbrief Gottes in Jesus Christus uns heilen kann: Christus, erbarme dich!

Alle:        Christus, erbarme dich!

L.:          Weil es wichtig ist, die sieben Siegel der Bibel aufzubrechen, um sie richtig zu verstehen: Herr, erbarme dich!

Alle:        Herr, erbarme dich!

L.:          Der allmächtige Gott erbarme sich unser: Er verzeihe, was wir unterlassen; er helfe uns in ein erfüllteres Leben - auch durch sein göttliches Wort.

Glorialied

Singt dem Herrn alle Völker ... Tr 153
Ich lobe meinen Gott ...Tr 129

Tagesgebet

Herr, unser Gott, wir danken dir, dass wir den ersten Teil der Bibel mit Muslimen und Juden ge­meinsam haben. Hilf uns, voller Ehrfurcht und Staunen die Worte der Heiligen Schrift zu betasten und sie wie eine Muschel an unser Ohr zu legen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Lesung aus dem Buch Númeri

Einleitung: Der Blick auf eine kupferne Schlange rettet vor dem Tod. Hier wird im Voraus darge­stellt, was der am Kreuz erhöhte Menschensohn einmal erfüllt.

Auf dem Zug durch die Wüste Sinai verlor das Volk den Mut. Es lehnte sich gegen Gott und Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten herausgeführt? Etwa damit wir in der Wüste ster­ben? Es gibt weder Brot noch Wasser! Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig! - Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen und viele Israeliten star­ben. - Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. - Da betete Mose für das Volk. Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben (Num 21,4b-9).

Alternativ: Kurzgeschichte „Wort Gottes“

Der vietnamesische Kardinal Nguyen von Thuan, der im Jahr 2000 unserem Papst die Exerzitien hielt, berichtet aus seiner Gefangenschaft unter dem kommunistischen Regime:
Im Gefängnis von Puh-Khank in Vietnam teilten die Katholiken unter den Gefangenen das Buch des Neuen Testamentes, das sie heimlich mitgebracht hatten, in kleine Blättchen auf. Sie verteil­ten sie untereinander und lernten es auswendig. Da der Fußboden aus Erde oder Sand bestand, verbargen sie, wenn sie die Schritte der Wachen hörten, das Wort Gottes darin. Am Abend, in der Dunkelheit, trug jeder der Reihe nach den Teil vor, den er gelernt hatte. Es war eindrucksvoll und bewegend, in der Stille und Dunkelheit dem Wort Gottes zu lauschen, die Gegenwart Jesu, das „lebendige Evangelium“, zu spüren, mit allen Kräften der Seele vorzutragen und in sich aufzu­nehmen.
- Die Nichtchristen hörten dabei mit Respekt und Bewunderung zu. 

Zwischengesang

Liebster Jesu, wir sind hier ... GL 520
Ich suche dich, Gott ... GL 734
Herr, gib uns Mut zum Hören ... GL 521

Evangelium nach Johannes

Hinführung: Die Barmherzigkeit Gottes rettet das Verlorene. -

Jesus sagte zu Nikodemus: Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird
(Joh 3,14
-17).

Alternativ (darauf geht die Predigt auch ein):

Mt 9,9-13: Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern.

Predigt

(bitte auswählen oder sagen, dass die Predigt länger wird als sonst ...)

Besonders gern zu Weihnachten schießen die großen Illustrierten wie Spiegel, Stern oder Focus Breitseiten gegen unser Verständnis der Bibel ab. Da seien doch oft viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte später Material gesammelt worden, das vorschnell zum Wort Gottes erhoben worden wäre. Den Leuten in der Kirche werde das vorenthalten. Und wenn die Jugendlichen in der Schule oder später an der Uni was ganz anderes hörten als in den Kirchen, würden sie sich vollends abwenden!

Mit dieser Nuss möchte ich einmal versuchen, zwischen den Generationen einen gangbaren Weg aufzuweisen.

Wenn ich den schmackhaften Kern dieser Nuss essen will, muss ich zuerst die harten Schalen beseitigen. Das wäre die „Nussregel“, mit der ich manche Geschichten, Legenden, Mythen und Wundererzählungen knacken muss. Das gilt auch für folgende bekannte Fabel:
Zwei Böcke begegnen sich auf einem schwankenden Steg über einem reißenden Gebirgsbach. Sie geraten in Streit, wer zuerst rüber darf: „Ich war zuerst da!“
- „Ich bin aber älter!“ - „Mein Uropa hat diesen Steg angelegt!“ - Wir kennen derartige Streitereien. Die Böcke können sich nicht einigen, laufen mit gesenkten Köpfen aufeinander zu und - fallen beide in den Bach; sie retten sich nur mit Mühe an Land.
Solche „dummen Böcke“ können wir beim Geschwisterstreit oder fast bei jedem Verkehrsunfall beobachten. Jetzt wäre es doch Unsinn, die Alpenregion nach diesem Steg abzusuchen oder in einem Zoo noch einen dieser Steinböcke aufzutreiben. Nein, es geht nur um den Kern dieser Geschichte, die sich einer ausgedacht hat: „Sei doch vernünftig! Eine friedliche Lösung kostet weniger Nerven und Kraft!“ Die Schale, also den Steg oder die Böcke, hat es so nie gegeben.

Die Bibelwissenschaftler sagen uns: Kein Buch und kein Brief im Neuen Testament sind von einem Augenzeugen, der Jesus erlebt hat, geschrieben worden - auch wenn wir sie mit Namen der Jünger Jesu belegen. Und beim Abschreiben der Texte ist bis ins Mittelalter oft in frommer Absicht geschummelt worden. In meiner Studentenzeit hieß es: Im Neuen Testament sind höchs­tens 40 Sätze von Jesus selbst. Heute heißt es: Wahrscheinlich sind es viel mehr. Wir werden das aber nie herausfinden können, weil die Texte in den Evangelien schon späte Spiegelungen der Erfahrungen mit dem auferstandenen Jesus sind. Darum ist es für Wissenschaftler ein hoff­nungsloses Unterfangen, zwischen echten und unechten Worten Jesu zu trennen.

Sie können sich vorstellen, dass diese Bibelforschung ein Trümmerfeld hinterlassen hat. Zuerst reagierte die evangelische Kirche bis hin zu dem Aufschrei: „Nein, kein anderes Evangelium!“ Und dann wurde ins Gegenteil verfallen, alles in der Bibel wörtlich für wahr zu halten. Doch das ist auch nicht richtig. Wir haben als Studenten nächtelang herumdiskutiert, was die Fachleute uns vorgegeben haben, bis wir langsam wieder Boden unter den Füßen spürten bei der Lösung: Die Bibel will keine historischen Berichte liefern, sondern gibt immer Erfahrungen wieder, die aus Begegnungen mit Gott oder Jesus gewachsen sind. Zwei Beispiele - mit der Nussregel:

-  „Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen“, sagt die Bibel. In der Schule wird den Schülern die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen beigebracht. Kern ist: Die Bibel ist kein Naturkunde­buch. Im wunderbaren Lied der Schöpfung will einer - von Gott erleuchtet - nur sagen: „Gott sah, dass alles sehr gut war!“ Der Bericht ist dichterisch nachempfunden, wie der Komponist Haydn ihn in seinem Werk „Die Schöpfung“ musikalisch wiedergibt. Der Dichter damals wusste natürlich auch schon, dass ohne Licht keine Pflanzen wachsen und doch reihte er die Erschaffung der Sonne erst in den vierten Tag.

-  Oder denken Sie an das wunderbare Buch von Jona, der vom Fisch verschlungen wird. Früher wurde ausgerechnet, welche Ausmaße dieser Fisch wohl hatte, damit Jona darin drei Tage leben konnte. Doch das ist Schale. Kern dieser belehrenden Geschichte ist: „Du kannst Gott nicht ent­fliehen. Stell dich unter seinen Auftrag!“ Diese Erzählung gehört in seiner Kernaussage schon ins Neue Testament: Es gibt einen Gott, der barmherzig ist zu allen Menschen, wenn sie zu ihm um­kehren!

Zu dieser Nussregel müsste noch eine wichtige Haltung hinzukommen: die der Toleranz. Sie sehen hier meine ausgebreiteten Arme. Dazwischen kann die tolerante Einstellung angesiedelt sein. Was ich damit meine, darf ich an einigen Beispielen aufzeigen:
- Jesus, der übers Wasser kommt, rettet den versinkenden Petrus. Die Wissenschaftler sagen: Kern dieser Geschichte ist die Erfahrung: Lasse ich mich auf Jesus ein, kann ich in den Stürmen des Lebens nicht untergehen, ja sogar die Fluten des Todes überwinden! Schale ist zu meinen: Das hätte sich damals so „abfotografieren“ lassen, wie Jesus übers Meer daherkommt! Da beginnt aber die Toleranz: Wer sich das immer so vorgestellt hat, warum nicht weiter so? Denn im Kern treffen wir uns doch wieder, der lautet: Vertrau fest auf Jesus und du kannst dich immer über Wasser halten. Das ist die Erfahrung auch vieler heutiger Christen.

- Nächstes Beispiel: Die wunderbare Brotvermehrung. Die Toleranz kann reichen vom Glauben, dass alles vielleicht so geschehen ist, bis zur Kernaussage im übertragenen Sinne: „Wer Gottes Wort weitergibt, erfährt, wie es sich unaufhaltsam teilt, so dass alle satt werden können.“

- Ein weiteres Exempel: Die kupferne Schlange. Wissenschaftler sagen: „Mose ist historisch nicht nachweisbar. Da hat ein frommer Priester viel später diese tolle symbolische Erzählung irgendwo gefunden und unter dem Stichwort ‚Mose’ eingebracht.“ Im Kern erfüllt sich diese Erfahrung in Jesus Christus: „Die Barmherzigkeit Gottes lässt keinen verloren gehen, wenn er das Angebot der offenen Arme des Vaters oder Jesu annimmt.“
Gehen wir also gelassen durch die historische Kritik, die auch schon mal widersprüchlich ist. Es kommt immer darauf an, dass ich mich verwandeln lasse.

Es gibt noch ein anderes Evangelium, an dem sich die Erfahrungen mit Jesus wie in einem Brennglas einfangen lassen: Jesu Mahl mit den Zöllnern und Sündern nach der Berufung des Matthäus. Da sitzt Jesus mit den Gesetzlosen, sozusagen mit der Achse des Bösen, an einem Tisch zusammen. Am Zaun ärgern sich die Frommen. Vielleicht geht Jesus sogar zu ihnen hin und erzählt die Geschichte vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater, die in einem gro­ßen Fest mündet - vom Fest, das in der Zukunft wartet, hat er oft gesprochen. Aber in der Situa­tion zerstört Jesus alles, was eine geordnete Gesellschaft von einer geordneten Religion erwarten darf. Und weil Jesus hier nicht mehr unterscheidet zwischen den Guten und den Bösen, muss er sterben. Jesus will eben nicht die fromme Elite hier und den sozialen Kehricht da, er will die Ge­meinschaft der Geheilten und Befreiten. Das kostet ihn Kopf und Kragen. Aber entscheidend für uns heute ist der Kern dieser Begebenheit: Dieses Fest ist auch uns angeboten! (Mt 9,9-13 nach Jörg Zink)

Unter dieser Perspektive ist es doch gleich, wenn die Bibelwissenschaftler sagen: Jesus wurde in Nazareth und nicht in Bethlehem geboren und die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland hat es so nie gegeben. Gegen diese Schale steht aber die Kernaussage, also die Erfahrung mit einem Jesus, der auf die Außenseiter zuging und sich für alle Menschen am Kreuz hingab. Das hat einer in diesen Weihnachtsbericht einfließen lassen, wie eine Spiegelung des ganzen Lebens Jesu: Nicht die Priester fanden ihn, sondern die Hirten - die damaligen Außenseiter - und sogar die Ausländer aus dem Morgenland! Da wird es doch gleichgültig, ob Jesus in Nazareth oder Bethle­hem geboren wurde, ob von einer Jungfrau oder nicht. Die biblischen Geschichten sind also oft keine Direktreportagen, sondern Glaubenszeugnisse. Wir sind eingeladen, diese Lichtstafette weiterzugeben.

(Wenn Sie möchten, können wir noch öfter die sieben Siegel der Bibel aufbrechen, damit das Wort Gottes uns wieder elektrisieren und heilen kann.)

Credolied

O Jesu, all mein Leben bist du ... GL 472

Fürbitten 

L.:      Ewiger Gott. In deinem Sohn Jesus Christus hast du Hand und Fuß bekommen. Wir bitten dich:

1.:      Lass die christlichen Kirchen deine Froh- und keine Drohbotschaft unter die Leute bringen. Liedruf.

2.:      Lass vor allem die europäischen Länder wieder erkennen, wie sehr die Bibel ein Schatz ist, der Mut macht. – Liedruf.

3.:      Stärke die christlichen Gemeinschaften durch dein Lebensbuch mit den entscheidenden Fragen und Antworten nach dem Woher und Wohin des Lebens. – Liedruf.

4.:      Hilf uns, deinen Liebesbrief zu entziffern und ihn auch Kranke und Außenseiter spüren zu lassen. – Liedruf.

L.:      Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied zur Gabenbereitung

Manchmal feiern wir mitten am Tag ... Tr 91

Gabengebet

Herr, unser Gott. Steige herab mit all deiner Kraft in Brot und Wein, damit sie uns stärken auf dem Weg durch gute und böse Tage - durch Christus, unseren Herrn.

Präfation vom Tag

Vaterunser  -  Friedensgruß

Zur Erhebung der Hostie

L.:             Seht und kostet, wie gut der Herr ist.

Alle:          Herr, ich bin nicht würdig ...

L.:             Freuen dürfen sich alle, die zum himmlischen Hochzeitsmahl geladen sind.

Lied zur Kommunion

O du hochheilig Kreuze ... GL 182

Meditation nach der Kommunion

1. Spr.:   Einmal am Tag, da sollst du
ein Wort in deine Hände nehmen,
ein Wort der Heiligen Schrift.

2. Spr.:   Sei vorsichtig, es ist so schnell erdrückt
und umgeformt, damit es passt.
Versuch nicht hastig, es zu „melken“,
es zu erpressen, damit es Frömmigkeit absondert.

1. Spr.:   Sei einfach einmal still.
Das Schweigen, Hören, Staunen ist bereits Gebet
und Anfang aller Wissenschaft und Liebe.
-
Betaste das Wort von allen Seiten,
dann halt es in die Sonne
und leg es an das Ohr wie eine Muschel.
-
Steck es für einen Tag
wie einen Schlüssel in die Tasche,
wie einen Schlüssel zu dir selbst.

2. Spr.:   Fang heute an! -
Vielleicht damit:
“Es geschehe dein Wille, wie im Himmel
so auf der Erde!“

                                                                                                                                                           (Paul Roth)

Oder:

1. Spr.:   Die Bibel redet in widersprüchlichen Bildern
wie Feuer und Dunkel,
Wolke und Fels,
Nähe und Distanz.
Sei auf der Hut!
Sie zeigt dir dabei nur die Schale, nicht den Kern.
Sei auf der Hut: sonst führt sie dich in die Irre.
Sie zeigt dir die Schale, nicht den Kern,
wenn du nicht mitspielst.

2. Spr.:   Versuch nicht zuerst, die Bibel zu verstehen.
Lass dich auf sie ein.
Deine Geschichte beginnt mit ihr,
wenn der Widerstand in dir gegen sie wächst.

1. Spr.:   Mit der Bibel muss es dir gehen
wie Jakob im nächtlichen Kampf.
Du gewinnst sie nur für dich,
wenn du mit ihr streitest.
Im Kampf zeigt sie dir ihr wahres Gesicht.
Erst in der Berührung wirst du ihre Kraft ahnen.

2. Spr.:   Halte sie fest, bis aus dem Ringen ein Segen geworden ist.
Streite mit ihr, dann erlebst du auch zärtliche Stunden.
Spiele ihr Spiel mit, das dich bis an die Grenze bringt,
bis an die Grenze deiner Fassungskraft.

1. Spr.:   Deshalb halte dich nicht für zu klein und unbedeutend.
Sie sucht die Auseinandersetzung mit dir
und durch dich mit der Welt.

2. Spr.:   Die Bibel hat keine vordergründigen Lösungen -
weder für Gott noch die Welt.
Aber sie hat Bilder. Prophetische und poetische Bilder
für das Geheimnis:
Das Unsagbare, das auch in dir redet.

(Wilhelm Bruners in „ferment“ 1/2003, S. 16f)

Schlussgebet

Herr, unser Gott. Dein Sohn hat uns am Holz des Kreuzes gerettet, damit wir am Biss der Schlange nicht zugrunde gehen. So führe uns einmal zur Herrlichkeit der Auferstehung durch Christus, unseren Herrn.

Nachwort

Die Bibel ist das bestbelegte und erforschte Buch der Antike. Alle heiligen Bücher der Welt, auch der Koran, haben den Prozess mit der historischen Kritik noch vor sich. Aber die Verantwortlichen halten die Hand darauf - wie zu lange auch die Kirche.

Schlusslied

Unsere Hoffnung bezwingt die schwarze Angst ... Tr 711

Willi Hoffsümmer

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