Steh auf und stell dich!
 
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27.08.06

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Steh auf und stell dich!

Hagar zwischen Abraham und Sara.

12.So.iJ.B.

(Jugendliche ab 6. Schuljahr u. Erwachsene)

Gottesdienst als PDF-Datei


Vorbemerkung

Diese in der Gestaltung außergewöhnliche Feier ist als Jugendgottesdienst gedacht, aber auch als Gottesdienst für die Gesamtgemeinde geeignet, weil er alle Elemente außer dem Bußakt enthält. Es gibt ja noch andere Stilmittel als nur das gehörte Wort, um die Botschaft Gottes zu verkünden.

Vorbereitungen

1.      Vor dem Altar ist ein großer Brunnen zu sehen = Stühle im Kreis gestellt, darüber blaue Tücher.

2.      Es kann jedem Besucher/ jeder Besucherin ein Brunnenbild (siehe Titelseite) angereicht werden. In der Mitte des Brunnens steht: „Habe ich mich von Gott bisher finden lassen?“ Um den Brunnen: „Ich stelle mich den Schwierigkeiten meines Lebens, weil ich glaube, dass Gott ‚nach mir schaut’.“

3.      Hagar wird von einer älteren Jugendlichen oder einer jungen Frau dargestellt – mit offenem Haar, weitem Gewand und barfuß oder auf Sandalen. Sara wird von einer schönen gereiften Frau gespielt. Abraham von einem älteren Mann. Sara und Abraham sitzen von Beginn an auf Stühlen mit dem Rücken zum Brunnen.

L= LeiterIn der Liturgie. (Im Spiel der Lesung kann er/sie auch durch eine andere Person ersetzt werden)

Lied zu Beginn

Ich lobe meinen Gott  Tr 129
In Ängsten die einen   Tr 108
Gott liebt diese Welt               GL 297

Begrüßung und Hinführung

Im Namen des Vaters… Gott, dem die Menschen am Herzen liegen, er sei mit euch!

Alle: Und mit deinem Geiste.

Lesung als Spiel aus dem Buch Genesis

H = Hagar                  S = Sara                     A = Abraham

L (zeigt auf den Brunnen vor dem Altar): So ein Brunnen ist in jeder Wüste ein Ort des Lebens. Er spielt eine Rolle in der Geschichte, die wir jetzt hören und sehen. Auch wir dürfen aus dem Brunnen trinken.

Da kommt schon die Hauptperson dieser Geschichte!

H (kommt durch den Mittelgang nach vorne und schaut zurück):

Ich schaue zurück auf die Spur meines Lebens, auf die Biegungen und Kreuzungen. Ich erinnere mich an ihn, der mir für Augenblicke sein Antlitz verbarg, mich im Dunkel allein ließ, mir aber auch in der Wüste neues Wasser zum Leben schenkte. Das gab mir die Kraft, Schwierigkeiten zu überwinden. Ich konnte zurückgehen und mich den Problemen stellen.

(Tagesgebet)

 Keine Klage verhallt bei dir ins Leere.

 Keine Träne bleibt bei dir ohne Antwort. Danke!

(sie legt sich in den Schatten des Brunnens)

L:         Ich muss euch die dramatische Geschichte dieser Frau erzählen. Sie steht im ersten Buch der Bibel, im Buch Genesis. Abraham war schon im hohen Alter und hatte immer noch keine Nachkommenschaft. Da sagte seine Frau Sara zu ihm: Ich habe da eine ägyptische Magd, die Hagar (L zeigt auf die Frau im Schatten des Brunnens). Geh zu ihr. Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. So eine Leihmutterschaft war damals nichts Ungewöhnliches. Wenn die Sklavin ein Kind bekam, war es rechtlich ein Kind des Ehepaares. Kinder waren für die spätere Versorgung der Eltern ungeheuer wichtig. Dem wurde alles untergeordnet.

Und Hagar wurde schwanger. Das machte sie stolz gegenüber ihrer Herrin; die war darüber erbost und beklagte sich bei Abraham. Der sagte: „Mach mit ihr, was du willst!“ Da behandelte Sara sie so hart, dass sie fortlief.

Bis zu diesem Brunnen (L zeigt auf Hagar und den Brunnen). Bevor ich das Drama weiter erzähle, singen wir erst ein Lied. Waren wir auch schon in solch einer Schwierigkeit, in der wir kraftlos am Boden lagen?

Lied

Meine engen Grenzen                       Tr 115

L:  (ruft) Hagar! Ich möchte dich etwas fragen! (H richtet sich halb auf) Du stehst seither für alles Unterdrückte, Benachteiligte, ja Diskriminierte! Aber warst du dein Elend nicht selber schuld?

H: Ja und Nein. Natürlich war ich stolz auf das werdende Leben in mir. Seitdem stritten sich die beiden Eheleute. Zelte sind hellhörig! Abraham war stolz, in seinem Alter noch ein Kind gezeugt zu haben. An ihm lag es also nicht, dass noch keine Kinder da waren. Und Sara war eifersüchtig. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Sie schikanierte mich ständig. Diesen Druck hielt ich nicht aus und floh in die Wüste. Ich kam bis zu diesem Brunnen.

L:         In der Wüste kommt man nicht weit. Was brachte die Wende?

H: Ein Engel des Herrn fand mich. Ich war schockiert als er, als Gott sagte: „Geh zurück zu deiner Herrin, und ertrag ihre harte Behandlung!“ Aber dann sagte er noch etwas, das mir absolut Mut machte: „Deine Nachkommen will ich so zahlreich machen, dass man sie nicht zählen kann!“ Ich spürte: Gott hat auf mich gehört in meinen Leid. – Ich habe an diesem Brunnen mein Ich wiedergefunden. Ich spürte, dass der, auf den ich gehofft und nach dem ich geschaut hatte, nach mir geschaut hat.

L:  Weißt du auch, Hagar, dass du die erste Frau in der Bibel bist, der Gott begegnet ist? Aber Gott nimmt einen nicht einfach aus seinem Problem hinaus, er mutet ihm zu, sich mit ihm auseinander zu setzen: es auszuhalten und daran zu wachsen. Als Rückenwind, als Ermunterung hat er dir eine Vision mit auf den Weg gegeben: die Stammmutter der arabischen Welt zu werden und damit auch der heutigen Muslime.

Aus Lebenskrisen kann Heilsames wachsen, wenn wir die Herausforderung annehmen!

Lied

Wir haben einen Traum                     Tr 672

Interview der Sara und Abraham

L: (geht zur Sara, die sich ihm zuwendet) Sara, schöne, mächtige Frau des Abraham. Das war ja wohl nicht die nette Art, die Sklavin so fertig zu machen, nachdem sie doch deinen Befehl befolgte und zu Abraham ging!?

S: Ich habe am meisten gelitten. Sogar mein berühmtes Lachen habe ich in diesen Tagen verloren. Dass ich eine angesehene schöne Frau war, zählte doch nicht mehr, weil ich keine Kinder bekam. Selbst die Sklavinnen schauten auf mich herab. Und in deinem Gesicht, Abraham, las ich den stummen Vorwurf, Schuld am Aussterben des Geschlechtes zu haben. Das war wie ein Todesurteil für mich, wie eine Strafe Gottes. Heute weiß ich, dass ich nur so herrisch auftrat, um meine innere Schwachheit zu überdecken. Ich hatte mein Lachen verloren.

L:  (geht zu Abraham) Lieber Abraham! Wärst du nicht besser als Mann aufgetreten, der Entscheidungen fällt? Das hätte doch alles entschärfen können – als deiner Frau das Handeln zu überlassen.

A: Ach, ich saß doch zwischen allen Stühlen: Ich wollte nicht zerrieben werden in den Anforderungen meiner Frau und den Ansprüchen der Sklavin. Ich wollte mich nicht aus den Konflikten heraushalten; ich trug als Stammvater eine besondere Verantwortung: Wenn Gott vorhatte, aus mir ein unübersehbar großes Volk zu machen, dann musste ich doch diesem Ziel alles unterordnen! Und ich liebte doch beide Söhne. Den Ismael, den die ägyptische Magd gebar und den eigenen Sohn Isaak, der später von Sara geboren wurde.

L:         Möchte Hagar auch noch etwas dazu sagen?

H: Ich war doch nichts! Sogar das Kind, das ich gebar, gehörte mir nicht. Aber ich war viel jünger als Sara und viel attraktiver für einen Mann wie Abraham. Aber der verhielt sich wie so viele Männer: Nach der Liebesnacht ließ er mich einfach fallen und setzte mich der Willkür seiner gekränkten Frau aus! Und doch …

L:         Was und doch!?

H: Ich war erstaunt, dass Gott nicht nur für die Menschen auf der Sonnenseite des Lebens stand, sondern auch zu den unbedeutenden im Schatten. Immer, wenn ich mein Kind ansah, wusste ich: Ich bin nicht allein. Ein für alle gemeinsamer Gott ist mit uns. Das ließ mich mit den Härten des Tages fertig werden. (Gen 16)

L:  Wie ging es weiter?

H: Die Geschichte wiederholte sich: Als Sara den Isaak geboren hatte, war mein Sohn weniger wert. Abraham und Sara verstießen mich und meinen Sohn und schickten uns in die Wüste. Als das Wasser in meinem Schlauch zu Ende ging, setzte ich mich einem Bogenschuss von meinem

     Kind entfernt hin. Ich konnte nicht mit ansehen, wie das Kind sterben würde. Ich weinte laut. Da rief wieder ein Engel: „Fürchte dich nicht, Hagar! Gott hat dich und deinen Sohn schreien gehört. Steh auf und nimm den Knaben fest an die Hand! Ich will ihn zu einem großen Volk machen.“ Und da, da erblickte ich einen Brunnen. Wir hatten neuen Lebensmut. (Gen 21,1-21)

L:  So wurde Hagar zur Stammmutter der arabischen Völker. Wir singen zu unserem gemeinsamen Gott, der Menschen im Leid nicht allein lässt.

Lied

    Auf dich allein ich baue GL 293    
Du verwandelst meine Trauer in Freude                  (siehe 1)

Evangelium nach Matthäus

Einleitung:   Auch auf uns können im Leben Stürme warten, die uns versinken lassen.

An einem Abend sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot weg, in dem er saß; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

(Mk 4,35-41)

Kurzpredigt

Wir schauen auf den Brunnen, den wir erhalten haben: Warum habt ihr solche Angst? sagte Jesus. – Wir haben einen noch zu kleinen Glauben!

Da steht die Frage: Habe ich mich von Gott bisher finden lassen? Oder versinke ich in meinen Problemen, verdränge sie, laufe fort? Das war doch beeindruckend, was der Engel Hagar sagte: Steh auf und stell dich!

Aber Gott sagt es nicht ohne Rückenwind! Er verheißt ihr einen Sohn mit einer großen Zukunft. Und beim zweiten Mal sagt er Hagar: „Fürchte dich nicht, Gott hat den Knaben und dich schreien gehört.“ Das sagt Gott auch uns in den Stürmen des Lebens: Warum habt ihr solche Angst? Ich bin doch bei euch! Darum können wir mit Hagar sagen. „Ich stelle mich den Schwierigkeiten meines Lebens, weil ich glaube, dass Gott ‚nach mir schaut’.“

Wir haben bei Musik noch etwas Zeit, über uns und über unser Verhältnis zu Gott nachzudenken.

Meditationsmusik

Glaubensbekenntnis

Wir beten es gemeinsam von der Rückseite des Brunnenbildes:

Wir glauben an Gott, der ein Herz für alle Menschen hat.

Er lässt seine Sonne aufgehen über Guten und Bösen.

Er steht auch auf der Seite der Armen und Ausgestoßenen.

Das hat er in seinem Sohn bewiesen:

Wir glauben an Jesus Christus, der geboren wurde in Armut.

Er hob die Gerechtigkeit aus dem Staub der Mächtigen.

Er trug unser Versagen und unseren Tod.

Er beendete den Fluch der Gewalt.

Er zeigte Wege auf zur Versöhnung.

Wir glauben an Gottes guten Geist.

Er will unsere Ketten sprengen.

Er öffnet uns die Augen und befreit zur Liebe.

Er gibt uns den Wanderstab der Kirche an die Hand.

Er lässt uns bald die Herrlichkeit Gottes schauen:

Das neue Jerusalem – eine Stadt für alle,

ohne Tränen, Leid und Geschrei.

Fürbitten

Gott, Ursprung und Ziel alles Lebendigen.

1.  Lenke die christlichen Kirchen, Menschen anderen Glaubens zu schützen und besonders auf Juden und Muslime zuzugehen, die auch in Abraham ihren Stammvater des Glaubens sehen.

2.      Wecke die Bereitschaft in den Staaten der Welt, Menschen zu helfen, die millionenfach mit Bündeln auf dem Kopf fliehen und mit Wasserkanistern in den Händen.

3.      Wir bitten dich für alle Ausländerinnen und Ausländer in unserem Land.
Hilf besonders den christlichen Gemeinschaften, über alle Vorurteile und Mauern hinaus Wege zueinander zu finden.

4.      Steh allen bei, die bis in die Familien hinein durch physische und psychische Gewalt unterdrückt und missbraucht werden.

5.      Mache uns zu gastfreundlichen Menschen, die keine Angst haben vor Fremden, die doch letztlich auch unsere Brüder und Schwestern sind.

6.      Hilf uns, dass wir Zerbrochenes heilen, blutende Wunden verbinden und dafür sorgen können, dass alle befreit atmen können.

Denn du kümmerst dich um uns wie ein Vater und wie eine Mutter, weil du uns das Leben in Fülle schenken willst, durch Christus, unseren Herrn.

Gabenlied

Solange es Menschen gibt auf Erden        GL 300

Bewahre uns Gott                     Tr 335
Keinen Tag soll es geben             Text u. Noten siehe

Gabengebet

Herr, unser Gott. Dein Heiliger Geist möge die Gaben von Brot und Wein überschatten, damit sie uns zu Brunnen werden, die neues Leben schenken. Schicke uns als Wegbegleiter Engel, die uns tragen helfen, stützen und stärken, durch Christus, unseren Herrn.

Vaterunser – Friedensgruß

Lied zur Kommunion

Brot, das die Hoffnung nährt                   Tr 194
Meine Zeit steht in deinen Händen             Tr 759
Oder: All meine Quellen entspringen in dir siehe (2)

Meditation nach der Kommunion  (auf Musik gesprochen)

1.      Gottes Engel möge deine unsicheren und tastenden Schritte begleiten.
Besonders, wenn du dich einsam fühlst und ausgedörrt in der Wüste des Lebens.

2.      Gott gebe dir einen langen Atem –
über die nächsten Wegbiegungen hinaus.
Er erfülle dich mit unermüdlicher Hoffnung.
Er gebe dir Kraft, wieder aufzustehen, wenn du gefallen bist.

1.      Gottes Engel möge dich umhüllen wie ein Zelt.
Er möge dich nähren auf deinem Weg
mit dem Wort und Brot des Himmels.
Und dir den rechten Weg zeigen.

2.  Gottes Heiliger Geist leuchte dir wie Feuer auf deinem Weg durch Nacht und Gefahren.
Ja, Gott lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig.

     Er wende sich dir zu
und gebe dir seinen Frieden.

Schlussgebet

Ewiger Gott. Schon seit Urzeiten hast du Menschen nicht allein gelassen, sondern sie wie Hagar spüren lassen, dass du nach ihnen schaust. Wir bitten dich: Hilf auch uns, in unseren Lebenskrisen und Herausforderungen zu wachsen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Segen-Schlusslied

Ihr Mächtigen             Tr 717

(Willi Hoffsümmer)


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