Zieverich
 
Home
Nach oben
Aktuelles
Informationen
Personen
Einrichtungen
Was tun, wenn
Historisches
Links
Impressum
Stand
21.06.07

zurück zur Übersicht über die Kirchen


Die Kapelle St. Gereon

Die Kapelle St. Gereon in Bergheim-Zieverich, die der Pfarrei St. Pankratius Paffendorf als Filialkirche für die Gläubigen aus Bergheim-Zieverich dient, liegt als flacher Bau im ehemaligen Schlosspark von Zieverich, wo sich heute ein Kinderheim befindet. Der unter den hohen Bäumen und im Maßstab zu den übrigen Gebäuden des Kinderheimes flach gehaltene Baukörper umschreibt in einem unregelmäßigen Vieleck einen breitgelagerten Kirchenraum mit geostetem Altar. Der Reiz des unregelmäßigen Raumes liegt darin, dass trotz der Einräumigkeit der Kapelle ein differenziertes Raumgefüge entstanden ist, welches um die dominierende Mitte der Altarinsel sowohl Beichte als auch Taufe, Nebenaltar und die Eingangsführungen mit jeweils eigener Räumlichkeit umgibt. Geplant wurde der Bau von dem Kölner Architekten Nikolaus Rosiny. Im November 1961 begannen die Rohbauarbeiten und bereits am 27. Januar 1962 erfolgte die Grundsteinlegung. Am 8. Dezember 1962 konnte, nachdem Stadtdechant Dr. Grosche aus Köln die Einsegnung (Benediktion) vorgenommen hatte, die erste heilige Messe gefeiert werden.

Der niedrig gehaltene Raum steht zu seiner verhältnismäßig großen Weite in einer starken Spannung, ausgeglichen durch die jeweils raumhohen Glasöffnungen der Eingänge und das Nordfenster. Der Raum erhält seine Steigerung durch die hohe, baldachinartige Laterne über der Altarinsel. Der Architekt begründet diese Konzeption damit, dass sie hierdurch der kindlichen Größenordnung, deren Bewegung mehr in die Breite als in die Höhe geht, gleichwohl aber die Heraushebung des Wesentlichen begreifend, gerecht wird. So sollten die Kinder die raumhohen Eingänge trotz der Niedrigkeit des Raumes als "Hohe Pforten" empfinden, und die Lichtfülle über dem Altar sollte ihrer Vorstellung von der Helle des Himmels entsprechen. Innen- und Außenwände sind in verfugtem Sichtmauerwerk gehalten. Gesims und Glockenträger bestehen aus Sichtbeton. Wobei das Gesims mittlerweile durch eine Kupferabdeckung geschützt wird.

Bei den gestalterischen Elementen innerhalb der Kapelle fallen die Bienenmotive auf. Die Biene ist das Symbol für den Aufbruch ins "Gelobte Land". Die von sechs schlanken Säulen getragene Laterne über dem Altar hat, wie die Altarinsel auch, die Form einer Wabe. Die von Prof. Teuwen entworfene Verglasung der Laterne ist mit kleinen Halbkugellinsen, als Symbol für die endlose Schar der Erlösten im Himmlischen Jerusalem, geschmückt.

Das "Turmkreuz mit goldenem Hahn" wurde 1963/64 von dem Wesselinger Bildhauer Paul Nagel entworfen und von der in Leubsdorf am Rhein ansässigen Firma Theo Hoppen ausgeführt. Paul Nagel (geb. 1925) war Schüler von Prof. Teuwen. Zuletzt (2006) schuf er die Figur der Hl. Edith Stein für den Petersdom in Rom.

Der als Haus im Haus errichtete Beichtstuhl vor der Südwand gleicht ebenfalls einer Wabe. Die Eingangstüren in das "Gelobte Land" sind, wie auch die Tür zur Sakristei, mit einer Bienenwabenfüllung versehen und die über den Türen angebrachten dunkelblauen Glasfriese mit Bienenmotiven geschmückt. Aber auch bei der späteren Ausgestaltung wurde das Bienenmotiv beibehalten. So befinden sich auf dem Orgelprospekt 50 Waben, die die Tage zwischen Ostern und Pfingsten symbolisieren.

Die Flachdecke erhält ihren besonderen Reiz durch die Anordnung der Beleuchtungskörper. Die Lampen zeigen einen Ausschnitt des Sternenhimmels in einer wolkenlosen Nacht. Mose orientierte sich beim Zug durch die Wüste ...in das Land, in dem Milch und Honig fließen (Exodus 3,17) am nächtlichen Sternenhimmel.

Auf der Südwand befinden sich lediglich vier kleine, farbige Motivfenster. Sie zeigen 
- einen Hahn, der an den Verrat des Petrus erinnert,
- die Szene der Heimkehr des verlorenen Sohnes,
- das Bildnis einer Frau mit einer Schwesternhaube (Vinzentinerin), in der einen Hand eine Hostie, in der anderen einen Besen haltend, und
- als letztes Motiv 33 Muscheln, die die 33 Lebensjahre Jesus symbolisieren.

Das große Nordfenster wurde als "Biblia pauperum" [eine bildliche Darstellung der Bibel für Menschen, die die Bibel (noch) nicht lesen können] von den Kindern des Heimes selbst gestaltet. In einem Fond von Prof. Teuwen sind Medaillons mit alt- und neutestamentlichen Szenen eingesetzt, die nach Zeichnungen der Heimkinder gebrannt wurden.

Die beiden, Ostern 1963 aufgehängten Glocken, sind zum einen "St. Gereon" (Patron der Pfarrei St. Gereon in Köln, an der van Gils als Kaplan tätig war) und zum anderen "St. Vinzenz" (Patron des Ordens der Vinzentinerinnen) geweiht. Das Gebäude ist durch ein rd. sieben Meter hohes schmiedeeisernes Kreuz gekrönt. Ursprünglich war ein Kreuz auf der Laterne geplant. Zunächst fanden in der Kapelle 200 Besucher Platz. Heute stehen ca. 320 Plätze zu Verfügung.

Im Jahre 1970 wurde St. Gereon nach den Vorschriften des II. Vatikanischen Konzils umgestaltet und erhielt eine vom Generalvikariat ausgeliehene Orgel. Die Ausstattung des Raumes ist bewusst schlicht gehalten. Neben dem auf einer Stele ruhenden, von Weinreben umrankten Tabernakel, dem auf einem Kunstschmiedeständer befindlichen Ewigen Licht und einem Vortragekreuz, die alle von Klaus Balke gestaltet wurden, schwebt nur noch ein schlichtes Kreuz über dem aus schwarzem Stein gearbeiteten Altartisch. Augenblicklich ist die Strenge des Backsteinbaues aufgelockert durch einen modern gestalteten Kreuzweg, dessen eindrucksvolle Holzplastiken von Hans-Jörg Ranalter aus Neustift im Stubaital/Tirol geschnitzt und von Pfarrer Willi Hoffsümmer zur Verfügung gestellt wurden.

Darüber hinaus ist der von Wolfgang Bienias, Köln, entworfene und von der Schreinerei Willibert Dahmen, Paffendorf, ausgeführte Orgelprospekt ein optischer Blickfang auf der Ostwand. Der Orgelprospekt beinhaltet die Tonstrahler der 1993 erbauten ALLEN-Orgel, einer Digital-Orgel.

© hs (Der Artikel ist eine gekürzte Version des Beitrages von Helmut Schrön: ... in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. St. Gereon, Bergheim-Zieverich in der Pfarrei St. Pankratius, Bergheim-Paffendorf, der 1998 in der Festschrift: „Zieverich – Geschichte eines rheinischen Dorfes“ aus Anlass der 1100-Jahrfeier erschienen ist).


Zurück


Home | Aktuelles | Informationen | Personen | Einrichtungen | Was tun, wenn | Historisches | Links | Impressum